Berliner FDP-Politiker macht Wahlkampf an türkisch-bulgarischer Grenze
FDP-Politiker wirbt an Grenze für Berlin-Wahl

Mehr als zwei Monate vor der Berlin-Wahl hat der FDP-Politiker Batuhan Temiz einen ungewöhnlichen Wahlkampf gestartet: Statt in Berlin steht der 30-Jährige am bulgarisch-türkischen Grenzübergang Kapitan Andreewo–Kapıkule. Dort verteilt er persönlich Flyer an Autofahrer, die oft stundenlang im Stau stehen, und wirbt mit riesigen Plakaten mit seinem Gesicht.

Wahlkampf im Stau an der Grenze

Die Route in die Türkei mit dem Auto habe für viele im Ausland lebende Türken Tradition, berichtet Temiz. In der Ferienzeit sei er sicher, dort besonders viele Berliner Türken anzutreffen. „Durch die Nummernschilder weiß ich, wen ich ansprechen muss“, sagte er der „B.Z.“. Die Idee zur Aktion kam von seinem Vater, „als wir den gemeinsamen Sommerurlaub geplant haben, und ich eigentlich nicht mitfahren wollte, weil ich Wahlkampfvorbereitungen in Berlin traf“, so Temiz.

Plakate mit Wortspiel: „Berlin sauber machen“

Temiz nutzt seinen Nachnamen, der auf Türkisch „sauber“ bedeutet, für ein Wortspiel. Auf den türkischsprachigen Plakaten steht „Berlin sauber machen“. In einem Instagram-Post dokumentierte er die Aktion und erhielt viele anerkennende Kommentare wie „Krasser Move“ oder „starke Aktion“. Die Reaktionen der Menschen fasst er mit einem Wort zusammen: „stolz. Sie sehen, wie einer aus ihren Reihen es in diesem Land geschafft hat, ihnen auf Augenhöhe begegnet, ihre Sprache spricht und sie ganz genau versteht.“

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Genehmigung eingeholt

In Berlin ist Wahlwerbung erst sieben Wochen vor der Wahl am 20. September erlaubt. An der Grenze auf türkischer Seite gibt es diese Regel nicht, dennoch holte Temiz eine Genehmigung beim Gouverneur ein. Sein Ziel: Die über 200.000 wahlberechtigten Deutsch-Türken bei der Berlin-Wahl ansprechen. „Es würde ausreichen, wenn sich fünf Prozent davon bei der Berlin-Wahl für die FDP entscheiden, um die zuletzt in Berlin stark abgeschlagene Partei wieder ins Abgeordnetenhaus zu bringen“, sagte Temiz der „B.Z.“.

Urlaubsreise für Wahlkampf genutzt

Temiz, gebürtiger Kreuzberger und Oberstabsarzt bei der Bundeswehr, ist zurzeit im Türkei-Urlaub. „Ich mache eine kleine Türkei-Reise und versuche überall mit den Deutschtürken, oder ‚Gurbetçi‘, in den Dialog zu kommen. Da, wo meine Wähler sind, da bin ich auch“, sagt er.

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