Fünf Jahre Welterbe Schum-Stätten: Bilanz und Ausblick in Speyer, Worms, Mainz
Fünf Jahre Welterbe Schum-Stätten: Bilanz und Ausblick

Fünf Jahre nach der Ernennung der Schum-Stätten Speyer, Worms und Mainz zum Unesco-Welterbe ziehen Verantwortliche eine positive Bilanz: Der Status habe den Tourismus belebt und das Bewusstsein für das jüdische Erbe in der Region gestärkt. Gleichzeitig stehen in den kommenden Jahren bedeutende Projekte an, darunter der Bau von Besucherzentren in allen drei Städten.

Start inmitten der Pandemie

Die Unesco hatte die Schum-Stätten am 27. Juli 2021 in der chinesischen Stadt Fuzhou zum Welterbe erklärt – mitten in der Corona-Pandemie. Birgit Kita, Geschäftsführerin des Vereins Schum-Städte, erinnert sich: „Es war zunächst schwierig, den Schwung richtig mitzunehmen.“ Dennoch habe der Welterbe-Status über die Jahre hinweg „definitiv mehr touristischen Verkehr gebracht“. Zudem werde die Relevanz des historischen Erbes in den drei Städten nun anders wahrgenommen. „Die Menschen vor Ort werden sich dessen bewusster, auch der Tatsache, dass die jüdische und christliche Geschichte seit Jahrhunderten eng verwoben ist“, so Kita.

Historische Bedeutung der Schum-Stätten

Schum ist die Abkürzung der hebräischen Anfangsbuchstaben der drei Städte: Schin (sch) für Schpira (Speyer), Waw (u) für Warmaisa (Worms) und Mem (m) für Magenza (Mainz). In Mainz gehört der Alte Jüdische Friedhof mit zahlreichen historischen Grabsteinen zum Erbe. Worms bewahrt Reste des jüdischen Viertels, eine jahrhundertealte Synagoge, ein Ritualbad (Mikwe) und mit dem Friedhof „Heiliger Sand“ den ältesten erhaltenen jüdischen Friedhof Europas. In Speyer gilt die Mikwe aus der Zeit um 1120 als das älteste erhaltene Ritualbad seiner Art in Europa.

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Avadislav Avadiev, Landesvorsitzender des Verbands der Jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, betont: „Die Schum-Stätten erzählen nicht nur die Geschichte des Judentums, sondern ein Stück der Geschichte Deutschlands und Europas.“ Gerade in Zeiten, in denen Antisemitismus wieder offen zutage trete, sei dies besonders wichtig. „Sie sind Orte der Geschichte, aber ebenso Orte der Begegnung, der Bildung und des Austauschs.“ Speyer, Worms und Mainz seien prägende Zentren des aschkenasischen Judentums gewesen. „Von hier gingen religiöse, rechtliche und kulturelle Impulse aus, die weit über die Region hinauswirkten und jüdisches Leben in Europa bis heute prägen.“

Auftrag für die Zukunft

Der rheinland-pfälzische Kulturminister Sven Teuber (SPD) sieht trotz der Freude über den fünften Geburtstag auch Aufgaben. „Teilhabe für alle zu sichern und Barrieren abzubauen, das ist für mich eine Herausforderung.“ Die Schum-Stätten seien „kein Denkmal von gestern, sie sind ein Auftrag für morgen“. Wer Welterbe nur verwalte, habe schon verloren. „Es muss erlebbar sein, gerade für junge Menschen.“ Es reiche nicht, Jahrestage zu feiern, wenn junge Menschen an anderer Stelle vom kulturellen Erbe abgehängt würden. Zudem müsse die Frage der Finanzierung von Welterbestätten zwischen Bund und Ländern neu geklärt werden.

Zielgruppe junge Menschen und internationale Gäste

Welterbe locke eher über 50-jährige Kulturtouristen an, sagt Kita, darunter viele aus Deutschland und relativ viele Amerikaner. Daher solle verstärkt der Kontakt zu jungen Menschen und Schulen gesucht werden. Was sich hinter Schum verberge, sei unter Jüdinnen und Juden weltweit meist klar. „Im jüdischen Kontext hat Schum bis heute eine große Bedeutung“, so Kita. „Anderen muss oft erklärt werden, wie die Buchstabenkombination entstanden ist und dass sie keine moderne Erfindung ist, sondern auf einer mittelalterlichen Namensgebung der drei jüdischen Gemeinden beruht.“

Besucherzentren als Meilensteine

In allen drei Städten sollen Besucherzentren entstehen. Für Kita sind das „große Meilensteine“. In Mainz wird das Zentrum direkt neben dem Alten Jüdischen Friedhof im September 2026 eröffnet. Für Worms gibt es bereits EU-Fördermittel, die Bauantragsverfahren laufen. In Speyer, wo mit dem Kaiserdom eine zweite Welterbe-Stätte existiert, soll ein gemeinsames Zentrum errichtet werden; aktuell wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet.

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Klimawandel als Herausforderung für die Denkmalpflege

Auch die Denkmalpflege steht vor neuen Aufgaben. Das veränderte Klima sorge für Herausforderungen, erklärt Kita. An der Synagoge in Worms beispielsweise habe sich eine Lehmschicht unter dem Fundament wegen Trockenheit zusammengezogen, was zu Rissen an der Fassade führte. Zunächst war geplant, das Bauwerk mit Mikropfeilern im Untergrund zu stützen. „Doch damit wäre für alle Zeit die Möglichkeit genommen worden, darunter noch mehr über die Geschichte zu erfahren“, so Kita. Stattdessen wurde ein System entwickelt, mit dem die Feuchtigkeit in der Lehmschicht beobachtet und bei Bedarf Wasser zugegeben werden kann.

Fazit: Mehr Vor- als Nachteile

Der Welterbe-Status habe manche Entscheidungsprozesse verlängert, sagt Kita. „Aber unter dem Strich überwiegen die Vorteile eindeutig.“ Für Avadiev liegt der eigentliche Wert nicht in der Auszeichnung. „Er liegt darin, dieses Erbe dauerhaft sichtbar, zugänglich und verständlich zu machen – in Rheinland-Pfalz, in Deutschland und weltweit.“