Die finanziellen Aussichten der katholischen Kirche in Bayern sind gespalten: Während einige Bistümer mit Defiziten kämpfen, planen andere mit schwarzen Nullen oder leichten Überschüssen. Der langfristige Trend sinkender Kirchensteuereinnahmen bleibt jedoch eine Herausforderung.
Evangelische Kirche plant Haushaltsplus
Die evangelische Kirche in Bayern rechnet für 2026 mit einem Überschuss von 8 Millionen Euro bei Einnahmen von 967 Millionen und Ausgaben von 959 Millionen Euro. Dennoch kündigte sie an, die Zuschüsse für ihr Medienhaus zu kürzen. Der Mitgliederschwund betrifft beide Konfessionen: Im vergangenen Jahr traten rund 81.852 Menschen aus den katholischen Bistümern und etwa 42.000 aus der evangelischen Landeskirche aus.
Katholische Bistümer: Unterschiedliche Haushaltslagen
Der Aachener Kirchenfinanzexperte Ralph Rotte betont, dass die großen Diözesen kurzfristig keine akuten Probleme hätten: „Natürlich lauert in Zukunft die Gefahr einbrechender Steuereinnahmen, wenn die Mitgliederzahlen weiter sinken. Es ist also zwischen kurz- und langfristigen Finanzfragen zu unterscheiden.“
Passau: Defizit schrumpft
Das Bistum Passau erwartet für 2026 ein Minus von 1,6 Millionen Euro – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahresdefizit von 6 Millionen Euro. Finanzdirektor Josef Sonnleitner rechnet nicht mit „dramatischen Rückgängen“, da die verbleibenden Mitglieder tendenziell höhere Einkommen erzielten.
Regensburg: Schwarze Null
Das Bistum Regensburg plant einen ausgeglichenen Haushalt von 383,26 Millionen Euro, wovon 315,5 Millionen aus Kirchensteuern stammen. Die Personalkosten belaufen sich auf rund 138 Millionen Euro.
Würzburg: Fehlbetrag von 1,1 Millionen
Das Bistum Würzburg erwartet ein Minus von 1,1 Millionen Euro, das aus Rücklagen gedeckt werden soll. Die Kirchensteuereinnahmen steigen leicht auf 179,7 Millionen Euro, was etwa 80 Prozent des Gesamthaushalts ausmacht.
Bamberg: Fünf Millionen Minus
Das Erzbistum Bamberg kalkuliert mit einem Defizit von 5 Millionen Euro bei Einnahmen von 229,8 Millionen und Ausgaben von 234,8 Millionen Euro. Finanzdirektor Mathias Vetter betonte: „Mit den bereits eingeleiteten Sparmaßnahmen und weiterer Prioritätensetzung werden die Voraussetzungen geschaffen, um das Betriebsergebnis wieder auszugleichen und die wirtschaftliche Stabilität des Erzbistums langfristig zu sichern.“ Die größten Ausgaben entfallen auf Seelsorge und Gebäude.
Eichstätt: Leichter Überschuss
Das kleinste bayerische Bistum Eichstätt erwartet einen Überschuss von 721.500 Euro bei Einnahmen von 180,4 Millionen Euro, darunter 104,2 Millionen Kirchensteuer (Vorjahr: 106,4 Millionen). Die finanzielle Lage bleibe trotz rückläufiger Steuereinnahmen und steigender Personalkosten stabil.
München und Freising: Bilanz noch offen
Das Erzbistum München und Freising legt seine Bilanz für 2025 und den Haushalt 2026 am Donnerstag vor. Für 2025 waren Einnahmen von 845 Millionen Euro bei geplanten Ausgaben von 928 Millionen Euro vorgesehen, wobei ein Teil der Ausgaben aus zweckgebundenen Rücklagen gedeckt werden sollte. 2024 erwirtschaftete die Diözese ein positives Jahresergebnis von 146 Millionen Euro, was jedoch auf Einmaleffekte und verschobene Baumaßnahmen zurückzuführen war. Finanzchef Markus Reif bezifferte die Erträge 2024 auf rund 921 Millionen Euro (plus 65 Millionen zum Vorjahr), davon 645 Millionen aus Kirchensteuer und 140 Millionen aus öffentlichen Zuschüssen. Amtschefin Stephanie Herrmann betonte: „Die grundlegenden Rahmenbedingungen bleiben unverändert herausfordernd. Es bleiben Maßnahmen zur Konsolidierung notwendig.“
Herausforderungen durch Immobilien
Generalvikar Christoph Klingan verwies auf die hohen Kosten für die zahlreichen Immobilien der Erzdiözese. Allein die Sanierung des Freisinger Dombergs wird rund 350 Millionen Euro kosten. Zudem stellt sich das Bistum auf zunehmende Schäden durch Extremwetter ein, da eine Elementarversicherung für die Gebäude zu teuer wäre.



