Bayreuth: Richard-Wagner-Straße erhält Hinweis auf Antisemitismus
Richard-Wagner-Straße: Hinweis auf Antisemitismus

Die Stadt Bayreuth hat damit begonnen, an den Straßenschildern der Richard-Wagner-Straße sowie der Cosima-Wagner-Straße Zusatztafeln anzubringen, die auf die antisemitische Haltung der Namensgeber hinweisen. Auf den neuen Schildern ist zu lesen: „Umstrittene Persönlichkeit aufgrund seiner antisemitischen Haltung“ beziehungsweise „ihrer antisemitischen Haltung“. Der Stadtrat hatte die Maßnahme bereits zuvor beschlossen.

Hintergrund der Entscheidung

Bayreuth ist untrennbar mit Richard Wagner verbunden. Der Komponist ließ eigens das Festspielhaus errichten, in dem seit 1876 die Bayreuther Festspiele stattfinden. Doch Wagner vertrat offen antisemitische Ansichten, die auch in seinen Schriften und seinem Werk zum Ausdruck kommen. Seine Witwe Cosima Wagner, die nach seinem Tod die Leitung der Festspiele übernahm, setzte diese Haltung fort und verfolgte eine judenfeindliche Besetzungspolitik.

Oberbürgermeister Andreas Zippel (SPD) erklärte, die Stadt habe sich bewusst gegen eine Tilgung der Straßennamen und für eine ergänzende Information entschieden. „Wir wollen nicht vergessen, sondern einordnen“, so Zippel. Der langjährige Stadtrat Christoph Rabenstein (SPD) betonte, Wagner sei ein bedeutender Komponist, dessen Musik weltweit begeistere, aber seine antisemitische Einstellung dürfe nicht verschwiegen werden.

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Auch Hindenburg und Bismarck betroffen

Die Ergänzungsschilder beschränken sich nicht auf die Wagners. In der Hindenburgstraße ist nun zu lesen: „Umstrittene Persönlichkeit, da er entscheidend den Aufstieg der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft mit zu verantworten hat.“ Paul von Hindenburg, Reichspräsident von 1925 bis 1934, ernannte Adolf Hitler zum Reichskanzler und gilt vielen Historikern als Wegbereiter der NS-Diktatur.

An der Bismarckstraße weist ein Zusatzschild auf die problematische Außen- und Kolonialpolitik Otto von Bismarcks hin. Der Text lautet: „Fürst Otto von Bismarck (1815-1898), Jurist, Botschafter in St. Petersburg und Paris, preußischer Ministerpräsident, Reichskanzler. Umstrittene Persönlichkeit aufgrund seiner problematischen Außen- und Kolonialpolitik.“

Umgang mit historischen Persönlichkeiten

Die Bayreuther Initiative ist Teil einer breiteren Diskussion in Deutschland über den angemessenen Umgang mit belasteten Straßennamen. Während einige Städte Straßen umbenennen, setzt Bayreuth auf Kontextualisierung. Die neuen Schilder sollen laut Stadtverwaltung dazu beitragen, die Geschichte kritisch zu reflektieren, ohne sie auszulöschen.

Die Richard-Wagner-Straße liegt im Zentrum Bayreuths und führt direkt zum Festspielhaus. Die Cosima-Wagner-Straße befindet sich in der Nähe des Wohnhauses der Familie Wagner. Beide Straßen sind zentral für das kulturelle Leben der Stadt.

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