Die Täter kommen nachts. Das Bergmassiv in Montana liegt in der Dunkelheit, als sie mit einem Pick-up an die weitläufige Weide heranfahren. Mit Hunden treiben sie die Rinder in die Enge. Die verängstigten Tiere werden in Windeseile auf den Anhänger des Pick-ups verladen. So oder ähnlich könnte es auch in Brandenburg zugegangen sein, wo innerhalb weniger Wochen insgesamt 239 Kühe von Weiden verschwunden sind. Der Schaden ist hoch, die Ermittler der Sonderkommission „Weide“ stehen vor einem Rätsel.
Die Soko „Weide“ nimmt die Fährte auf
Die brandenburgische Polizei hat eine Sonderkommission mit dem Namen „Weide“ eingerichtet, um die Serie von Rinderdiebstählen aufzuklären. Die Beamten vermuten, dass die Diebe professionell vorgehen. „Wir gehen von organisierten Tätern aus, die genau wissen, wie sie die Tiere unbemerkt abtransportieren und gewinnbringend verkaufen können“, sagte ein Sprecher der Polizei. Die Ermittler sehen nur zwei Möglichkeiten, wie die Diebe die Tiere so schnell loswurden: Entweder wurden die Kühe direkt geschlachtet und das Fleisch in den Handel gebracht, oder sie wurden ins Ausland verbracht, etwa nach Polen, wo die Nachfrage nach Rindfleisch groß ist.
Hunderte Rinder verschwunden – Schaden im sechsstelligen Bereich
Die Zahl der gestohlenen Rinder ist alarmierend: In den vergangenen Wochen wurden 239 Tiere von verschiedenen Weiden in Brandenburg entwendet. Der wirtschaftliche Schaden beläuft sich nach Angaben der Polizei auf mehrere hunderttausend Euro. Die Landwirte sind verzweifelt, viele von ihnen haben ihre Existenzgrundlage verloren. „Das ist eine Katastrophe für uns“, klagt ein betroffener Bauer. „Wir arbeiten das ganze Jahr hart, und dann kommen Diebe und nehmen uns alles weg.“
Ermittler tappen im Dunkeln – zwei Haupttheorien
Die Ermittler der Soko „Weide“ tappen noch weitgehend im Dunkeln. Sie haben jedoch zwei Haupttheorien entwickelt, wie die Diebe vorgegangen sein könnten. Die erste Theorie besagt, dass die Rinder direkt nach dem Diebstahl geschlachtet und das Fleisch über illegale Kanäle in den Handel gebracht wurde. Die zweite Theorie geht davon aus, dass die Tiere lebend ins Ausland transportiert wurden, vor allem nach Polen, wo sie auf legalen Märkten verkauft werden könnten. „Beide Varianten sind denkbar, aber wir haben noch keine handfesten Beweise“, so der Polizeisprecher.
Landwirte fordern mehr Schutz
Die Landwirte in Brandenburg fordern angesichts der Diebstahlserie mehr Schutz für ihre Weiden. Sie verlangen eine bessere Überwachung durch die Polizei und mehr technische Hilfsmittel wie Kameras oder GPS-Tracker für die Tiere. „Wir können nicht jede Nacht Wache halten“, sagt ein Landwirt. „Die Politik muss uns helfen, unsere Tiere zu schützen.“ Die Polizei hat angekündigt, die Streifen in den betroffenen Gebieten zu verstärken und die Zusammenarbeit mit den Landwirten zu intensivieren.
Ermittlungen laufen auf Hochtouren
Die Soko „Weide“ arbeitet unter Hochdruck an der Aufklärung der Fälle. Die Beamten werten Spuren aus, befragen Zeugen und kooperieren mit den Behörden in Polen. „Wir sind zuversichtlich, dass wir die Täter bald fassen können“, sagt der Polizeisprecher. Bis dahin bleiben die Landwirte in Brandenburg in ständiger Sorge um ihre Herden.



