Wegner im Blackout: Ungereimtheiten bei der Krisenkommunikation
Am Tag des großen Stromausfalls in Berlin, der Zehntausende Haushalte ohne Licht ließ, war der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) am Vormittag offenbar über Stunden nicht erreichbar. Nach einem Bericht des Tagesspiegels stellte sich nun heraus, dass Wegner entgegen seiner eigenen Darstellung nicht fortlaufend telefoniert habe – weder mit den Krisenstäben der Stadt noch mit der Bundesregierung oder dem Bundesinnenministerium. Was er stattdessen tat, ist unklar. Am Nachmittag spielte Wegner Tennis, um, wie er sagte, „den Kopf freizubekommen“.
Provinzniveau statt Hauptstadtformat
Wegner bedient damit all jene Vorurteile, die viele ohnehin über die Berliner Landespolitik hegen. Die Zeiten, in denen in der Hauptstadt Politiker vom Kaliber eines Ernst Reuter, Willy Brandt oder Richard von Weizsäcker regierten, liegen lange zurück. Und selbst bei Klaus Wowereit verband sich politische Lässigkeit zumindest noch mit einer gewissen hauptstädtischen Weltläufigkeit. Bei Kai Wegner schrumpft das alles endgültig auf Provinzniveau zusammen.
Weitere Affären belasten den Senat
Seine Lebenspartnerin sitzt mit am Kabinettstisch – ein Vorgang, bei dem in der Privatwirtschaft wohl jeder Compliance-Beauftragte alarmiert wäre. Sein mit großem Brimborium präsentierter Chief Information Officer musste nach wenigen Monaten wieder gehen. Und nun bricht für Wegner sein letztes politisches Match an: Die Falschaussagen könnten den Wahlsieg eines Linksbündnisses näher rücken lassen. Die Berliner Wähler haben die Wahl, ob sie diese Art von Führung weiterhin tolerieren wollen.



