Neue DNA-Analysen lassen Zweifel aufkommen, ob der in der Ostsee gestrandete Buckelwal „Timmy“ tatsächlich tot ist. Wie die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf vorliegende Laborergebnisse berichtet, weichen zwei entnommene Gewebeproben voneinander ab. Eine Pressekonferenz zu den Ergebnissen soll am heutigen Nachmittag um 14 Uhr in Hamburg stattfinden.
Hintergrund des Dramas um den Buckelwal
Mitte Mai sorgte ein in der Ostsee gestrandeter Buckelwal in Deutschland für Schlagzeilen. Das geschwächte Tier, das offenbar an einer Hauterkrankung litt, wurde von einer privaten Initiative mithilfe eines Lastkahns von der Ostsee zum Eingang der Nordsee transportiert. Nur wenige Tage später wurde ein toter Buckelwal an der dänischen Küste vor der Insel Anholt gefunden – offiziell handelte es sich um „Timmy“. Doch nun könnten die DNA-Ergebnisse diese Annahme widerlegen.
Die widersprüchlichen DNA-Proben
Laut „Bild“ wurde die erste Gewebeprobe von Wal-Experte Jeff Forster entnommen, als er einen GPS-Tracker an der Finne des lebenden Tiers befestigte. Die zweite Probe stammt vom Kadaver vor Anholt, der wochenlang am Strand verweste. Beide Proben wurden in einem Labor verglichen – mit dem Ergebnis, dass die DNA nicht übereinstimmt. Unabhängig bestätigt sind diese Angaben bislang nicht. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, dass die Analyseergebnisse heute auf einer Pressekonferenz vorgestellt werden sollen. Teilnehmer sind noch nicht bekannt; Umweltminister Till Backhaus und das Deutsche Meeresmuseum werden laut „Merkur“ nicht anwesend sein.
Offene Fragen und Ungereimtheiten
Der Fall wirft zahlreiche Fragen auf. Die Beteiligten widersprechen sich teils vehement, nicht nur bezüglich der umstrittenen Freilassung, von der es keine Videomaterialien gibt, sondern auch bei Finanzierungsfragen und offenen Rechnungen.
1. Die Gewebeproben
Die Proben wurden von Mitgliedern der privaten Rettungsinitiative entnommen, ohne unabhängige Zeugen. Die erste Probe stammt von Jeff Forster, wer die zweite am toten Wal entnahm, ist unbekannt. Auch die Aufbewahrung und die Einhaltung wissenschaftlicher Standards sind fraglich. Die Kleintierärztin Dr. Kirsten Tönnies gab auf Instagram an, Ende Mai eigene Proben an ein Labor geschickt zu haben, mit dem Versprechen, in vier Wochen Gewissheit zu haben. Ob es sich um dieselben Proben handelt, ist unklar.
2. Das Geschlecht des Wals
Umweltminister Till Backhaus hatte den freigelassenen Wal als jungen Bullen bezeichnet. Die Obduktion des Kadavers auf Anholt ergab jedoch, dass es sich um ein Weibchen handelte.
3. Der GPS-Tracker
Der an der Finne befestigte Tracker funktionierte laut Geldgeberin Karin Walter-Mommert nicht fehlerfrei und lieferte „Datenmatsch“. Eine Ortung war unmöglich. Als der tote Wal gefunden wurde, fehlte der Tracker zunächst; später wurde er von einem Taucher geborgen. Die Seriennummer stimmte mit dem ursprünglichen Gerät überein.
4. Körperliche Merkmale
Ein „Bild“-Reporter fotografierte die Schwanzflosse des toten Wals. Ein Vergleich mit einem Foto von einer früheren Strandung in Niendorf zeigte Übereinstimmungen in den Zacken der Fluke. Auch Verletzungen und Narben am Körper des vor Poel gestrandeten Wals sollen mit denen des Kadavers übereinstimmen.
Die heutige Pressekonferenz könnte endlich Klarheit bringen – oder weitere Rätsel aufgeben.



