Elon Musk ist mit dem Börsengang von SpaceX am 12. Juni zum ersten Billionär der Welt geworden. Doch die Debatte über seinen Reichtum lenkt von einem grundlegenden Problem ab, das insbesondere Deutschland betrifft: Während Musks Vermögen volatil und risikoreich in Unternehmen gebunden ist, sind große deutsche Vermögen über Generationen festgemauert und entziehen sich unternehmerischer Dynamik. Der Kolumnist Felix Oldenburg argumentiert, dass Deutschland zu viel Reichtum, aber zu wenig Unternehmertum habe.
Musks Reichtum: Flüchtig und risikoreich
Ein deutscher Business-Angel, der Musk Anfang der 2010er-Jahre bewunderte, erinnert sich an die inspirierenden Projekte: selbstfahrende Elektroautos, wiederverwendbare Raketen und Internet aus dem All. Musks Vermögen existiert jedoch nur auf dem Papier und schwankt stark. 2022 verlor er nach Forbes-Schätzungen bis zu 200 Milliarden Dollar, weil die Tesla-Aktie 65 Prozent an Wert einbüßte. Dies zeigt die Volatilität seines auf Unternehmen basierenden Reichtums.
Deutsche Vermögen: Statisch und generationsgebunden
In Deutschland sind die großen Vermögen über Jahrzehnte stabil. Namen wie Schwarz, Quandt, Klatten, Würth und Albrecht dominieren seit über hundert Jahren. Laut einer Studie des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung wurde mehr als ein Drittel der Unternehmen hinter den größten deutschen Privatvermögen vor dem Ersten Weltkrieg gegründet. Das DIW zeigt, dass drei von vier deutschen Hochvermögenden über 40 ihren Reichtum dem Erbe verdanken. Diese Vermögen sind meist in Immobilien, Fonds oder Private Equity gebunden – wenig Wagnis, wenig gesellschaftliche Mission.
Unsichtbare Macht der Vermögenselite
Während Musk seinen Einfluss sichtbar über X ausübt, ist der Einfluss der deutschen Vermögenselite unsichtbar. Die Soziologin Isabell Stamm beschreibt Reichtum als ein System aus Gesellschaften, Stiftungen und Beteiligungen. In Deutschland sei das Halten über Generationen zur eigentlichen Strategie der Vermögensverteidiger geworden. Oldenburg kritisiert, dass diese Struktur unternehmerische Dynamik schwäche und gesellschaftliche Debatten verhindere.
Fazit: Nachdenken über deutsche Vermögenskultur
Es gibt viele Gründe, Musk zu kritisieren – etwa seine seltsamen Vorstellungen von Fortpflanzung oder seine Fokussierung auf den Mars. Doch die Höhe seines Vermögens sollte Anlass sein, über die Schwächen der deutschen Vermögenskultur nachzudenken. Oldenburgs Freund, der einst einen der ersten Teslas besaß, hat seinen Wagen vor zwei Jahren zurückgegeben.



