Am 11. Mai 1878 fielen Schüsse auf Kaiser Wilhelm I. in Berlin. Der Attentäter, der Klempnergeselle Max Hödel, feuerte aus nächster Nähe auf den Monarchen. Doch die Kugeln prallten an der metallenen Pickelhaube des Kaisers ab – ein Zufall, der ihm das Leben rettete. Nur wenige Wochen später, am 2. Juni 1878, ereignete sich ein weiteres Attentat. Diesmal schoss der Arzt Karl Eduard Nobiling auf den Kaiser und verletzte ihn schwer. Auch diesen Anschlag überlebte Wilhelm I., wenn auch mit bleibenden Schäden.
Die Attentate von 1878 im historischen Kontext
Die beiden Attentate auf Kaiser Wilhelm I. fanden in einer Zeit politischer Spannungen statt. Die Sozialistengesetze wurden kurz darauf verabschiedet, um die sozialdemokratische Bewegung zu unterdrücken. Laut Historikern wie Thomas Nipperdey waren die Anschläge Auslöser für eine Verschärfung der Repression. „Die Attentate dienten Bismarck als willkommener Vorwand, um seine Politik der ‚Sozialistenverfolgung‘ durchzusetzen“, erklärt der Historiker. Die Gesetze traten im Oktober 1878 in Kraft und blieben über ein Jahrzehnt in Kraft.
Die Rolle der Pickelhaube beim ersten Attentat
Die Pickelhaube, traditioneller Kopfschutz preußischer Soldaten, bestand aus Leder mit Metallbeschlägen und einer Spitze. Beim ersten Attentat traf eine Kugel die Spitze und wurde abgelenkt. „Ohne die Pickelhaube wäre der Kaiser vermutlich tödlich getroffen worden“, so der Militärhistoriker Ralf Pröve. Das zweite Attentat verletzte Wilhelm I. schwer – Schrotkugeln trafen seinen Kopf und Arm. Dennoch erholte er sich und regierte bis 1888 weiter. Die Pickelhaube wurde später zu einem Symbol der preußischen Militärtradition.
Auswirkungen auf die deutsche Politik
Die Attentate hatten weitreichende Folgen. Reichskanzler Otto von Bismarck nutzte die öffentliche Empörung, um das Sozialistengesetz durchzusetzen. Dies verbot sozialdemokratische Vereine, Versammlungen und Druckschriften. „Die Anschläge dienten als Katalysator für eine autoritäre Wende“, analysiert die Historikerin Karin Priester. Gleichzeitig stärkten sie die monarchische Solidarität: Wilhelm I. wurde als „unverwundbarer“ Kaiser gefeiert, was die Legitimation der Monarchie festigte. Die Ereignisse von 1878 sind ein Beispiel dafür, wie politische Gewalt die Innenpolitik eines Landes prägen kann.



