Brandenburgs Gesundheitsminister René Wilke (SPD) hat die aktuellen Krankenhausschließungen in Potsdam als richtig und notwendig verteidigt. „Auch das, was in Potsdam gerade passiert, ist bei allen individuellen Schmerzen in der Sache richtig. Es wird Qualität langfristig sichern und verbessern“, sagte Wilke dem „Nordkurier“ und dem „Tagesspiegel“. Er betonte, dass sein Ministerium die Reform grundsätzlich befürworte und die Schließungen in die Kriterien der Umsetzung der Krankenhausreform passten.
Potsdamer Kliniken schließen Abteilungen
Die beiden großen Potsdamer Krankenhäuser hatten angekündigt, mehrere Abteilungen zu schließen. Das Klinikum Ernst von Bergmann will Orthopädie und Gefäßchirurgie ab August nicht mehr anbieten, das Alexianer St. Josefs-Krankenhaus schließt Neurologie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe. Aufgrund von Personalmangel hatte die Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe am St. Josefs-Krankenhaus die Arbeit bereits eingestellt. Beide Häuser begründen die Maßnahmen mit der Krankenhausreform, um Leistungen nicht mehr parallel anbieten zu müssen.
Proteste und Sicherstellung der Versorgung
Mehrere hundert Menschen hatten in der vergangenen Woche in Potsdam gegen Sparmaßnahmen und Schließungen in Krankenhäusern demonstriert. Minister Wilke stellte klar: „Als Ministerium sind wir in solche Vorgänge frühzeitig eingebunden.“ Die Versorgung dürfe jedoch nicht gefährdet werden. „Auch Stationen, die geschlossen werden sollen, müssen bis zum Ende funktionieren“, sagte Wilke mit Blick auf die Geburtshilfe im St. Josefs. Auf die Frage, ob künftig Stationsschließungen und Krankenhausfusionen ohne Vorwarnung kommuniziert werden könnten, antwortete der Minister: „Das kann ich nicht ausschließen.“ Er erwarte jedoch, dass geeignete Alternativen vorbereitet und Beschäftigte sowie ihre Vertretungen einbezogen werden.
Zukunft der Krankenhausstandorte
Wilke versicherte: „Wir wollen im Land Brandenburg langfristig alle Krankenhausstandorte erhalten. Manche müssen und werden andere Funktionen bekommen. Die Grund- und Notfallversorgung wird es auch weiterhin in guter Erreichbarkeit geben.“ Die Krankenhausreform zielt darauf ab, Kosten zu senken und die Qualität der Versorgung zu erhöhen. Bereits angekündigt ist die Schließung der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin im Evangelischen Krankenhaus Ludwigsfelde-Teltow Ende Juli. Das Krankenhaus in Wittstock soll Anfang 2027 schließen, die Rettungswache bleibt jedoch bestehen, und eine Poliklinik ist geplant.
Kritik am Bund
Der Gesundheitsminister kritisierte den Bund wegen des Sparpakets für die gesetzlichen Krankenkassen. „Wenn es vorher keine Konsultation, keine Beteiligung und keinen fachlichen Diskurs mit den Ländern gibt, gibt es natürlich auch keinerlei Bindungskraft, was Absprachen betrifft“, sagte er.



