Cannabis-Teil-Legalisierung: Mehr Krankenhausfälle durch Vergiftungen und Psychosen
Cannabis-Teil-Legalisierung: Mehr Krankenhausfälle

Seit der Teil-Legalisierung von Cannabis in Deutschland im Jahr 2024 werden mehr Menschen aufgrund von akuten Vergiftungen und Psychosen durch die Droge in Krankenhäuser eingeliefert. Dies geht aus einer Studie von Wissenschaftlern der Universitätskliniken Hamburg-Eppendorf und Leipzig hervor, die im Fachjournal „Deutsches Ärzteblatt International“ veröffentlicht wurde. Der Anstieg sei „moderat“ und liege im einstelligen Prozentbereich, so die Autoren um Jakob Manthey.

Zahlen und Fakten: 1.395 zusätzliche Einweisungen bei Erwachsenen

Die Forscher analysierten Daten von mehr als 70.000 Krankenhausaufnahmen. Im Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes gab es demnach 1.395 mehr Einweisungen erwachsener Menschen aufgrund von Cannabis – ein Plus von 7 Prozent im Vergleich zu einem Szenario ohne Legalisierung. Bei Jugendlichen waren es 91 zusätzliche Fälle, was einem Anstieg von 3,9 Prozent entspricht. Die Studie diskutiert zwei mögliche Gründe für diese Entwicklung.

Erstens könnten sich infolge der Legalisierung mehr Menschen zum Cannabiskonsum entschlossen haben, da die Hemmschwelle durch geringere Strafen gesunken sei. Allerdings fehlten hierfür wissenschaftliche Belege, und Umfragen zeigten diesen Trend nicht. Zweitens, und dies halten die Wissenschaftler für wahrscheinlicher, sei ein Umstieg auf hochpotentes medizinisches Cannabis aus Online-Apotheken verantwortlich. Dieses sei „auch für den nichtmedizinischen Gebrauch leicht erhältlich“.

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Hochpotentes Medizinalcannabis: THC-Konzentration deutlich höher

Die Konzentration von THC – dem psychoaktiven Wirkstoff der Hanfpflanze – liegt bei medizinischem Cannabis im Schnitt bei 24 Prozent, während Straßenhandel-Cannabis durchschnittlich nur 15 Prozent THC enthält. „Da der Konsum von Cannabis mit mehr als 10 Prozent oder 15 Prozent THC mit einem erhöhten Risiko für psychische Probleme verbunden ist, kann der Umstieg auf Medizinalcannabis selbst für erfahrene Konsumierende sowie für Patientinnen und Patienten ein Risiko darstellen“, warnen die Autoren.

Seit 2024 ist Cannabis in Deutschland nicht nur legal besitz- und anbaubar, sondern wurde auch aus dem Betäubungsmittelgesetz gestrichen. Dies erleichtert Ärztinnen und Ärzten die Verschreibung von medizinischem Cannabis erheblich. Eine im April veröffentlichte Evaluation des Cannabisgesetzes stellte fest, dass Deutschland inzwischen „den größten prinzipiell legal-kommerziellen Markt“ für medizinisches Cannabis in Europa hat. 2025 wurden 200 Tonnen medizinisches Cannabis legal eingeführt – ein Plus von 198 Prozent gegenüber 2024.

Experten warnen vor gesellschaftlichen Konsequenzen

Der Psychiater Alkomiet Hasan von der Universität Augsburg, der nicht an der Studie beteiligt war, bewertet die Befunde als alarmierend: „Selbst ein moderater Anstieg, wie hier beschrieben, hat immense gesellschaftliche Konsequenzen.“ Über die Jahre könnten einige Fälle in schwere psychische Erkrankungen wie Schizophrenie oder Suizid übergehen. „Das ist relevant.“

Schon vor der Teil-Legalisierung hatten Wissenschaftler vor einem Anstieg von Psychosen gewarnt. „Wer an Psychosen leidet, hört oft Stimmen oder hat Wahngedanken. In der Regel sind diese Symptome sehr angstmachend“, erklärte Stefan Gutwinski, Oberarzt an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Berliner Charité.

Mögliche Verzerrungen und Forderungen nach Konsequenzen

Die Studienautoren räumen ein, dass mehrere Faktoren die Daten verzerren könnten. So fragen Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern durch die aktuelle Debatte möglicherweise häufiger nach Cannabiskonsum, was zu mehr Diagnosen führt. Auch suchen Betroffene vielleicht häufiger Hilfe, da sie keine Stigmatisierung mehr befürchten müssen. Hasan hält diese Erklärungen jedoch für unzureichend: „Selbst wenn wir diese in Betracht ziehen, kann dieser Sachverhalt nicht den gesamten Umfang der Zunahme erklären.“ Er plädiert dafür, aus der Nutzung von Medizinalcannabis für Freizeitzwecke die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Als Reaktion auf die Entwicklung hat das Bundeskabinett bereits strengere gesetzliche Regeln für den Zugang zu medizinischem Cannabis auf den Weg gebracht.

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