Künstliche Befruchtung: Ein Embryo oft besser als zwei – neue Studien
Ein Embryo oder zwei bei künstlicher Befruchtung?

Paare, die sich einer künstlichen Befruchtung unterziehen, stehen oft vor der Frage, wie viele Embryonen sie einsetzen lassen sollen. Viele entscheiden sich für zwei, in der Hoffnung, die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft zu erhöhen. Doch zwei neue Auswertungen zeigen, dass diese Annahme trügerisch ist.

Studien widerlegen den Vorteil von zwei Embryonen

Die erste Studie, veröffentlicht im Fachjournal „Human Reproduction“, analysierte Daten von über 20.000 IVF-Zyklen. Das Ergebnis: Die Schwangerschaftsrate war bei Einzelembryotransfer (SET) mit 38 Prozent nur geringfügig niedriger als bei Doppelembryotransfer (DET) mit 42 Prozent. Gleichzeitig stieg das Risiko für Mehrlingsgeburten bei DET auf 22 Prozent, während es bei SET bei unter 1 Prozent lag.

Die zweite Auswertung, durchgeführt von Forschern der Universität Oxford, bestätigte diese Zahlen. „Viele Paare glauben, dass sie mit zwei Embryonen eine höhere Chance haben, ein Baby zu bekommen. Aber das Risiko von Zwillingen oder Drillingen ist erheblich, und damit verbundene Komplikationen wie Frühgeburten sind nicht zu unterschätzen“, sagt Dr. Sarah Müller, leitende Autorin der Studie.

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Risiken von Mehrlingsschwangerschaften

Mehrlingsschwangerschaften bergen erhöhte Risiken für Mutter und Kind: Frühgeburten, niedriges Geburtsgewicht und Kaiserschnittentbindungen sind häufiger. Auch die Kosten für die medizinische Betreuung sind deutlich höher. „Die Entscheidung für zwei Embryonen ist oft emotional, nicht rational. Die Daten zeigen klar, dass ein Embryo in den meisten Fällen die bessere Wahl ist“, so Dr. Müller weiter.

Empfehlungen für die Praxis

In vielen Ländern, darunter Schweden und Belgien, ist der Einzelembryotransfer bereits Standard. In Deutschland hingegen werden noch häufig zwei Embryonen transferiert. Die neuen Studien könnten dazu beitragen, die Richtlinien zu überarbeiten. „Die Erfolgsraten der IVF sind in den letzten Jahren gestiegen, sodass ein einzelner Embryo oft ausreicht. Die Paare sollten darüber aufgeklärt werden, dass weniger manchmal mehr ist“, erklärt Prof. Dr. Thomas Weber, Reproduktionsmediziner an der Charité Berlin.

Fazit: Ein Embryo ist oft die sicherere Wahl

Die Angst, eine Chance zu verschenken, ist verständlich, aber laut den neuen Auswertungen unbegründet. Die Schwangerschaftsraten unterscheiden sich kaum, während die Risiken bei zwei Embryonen deutlich höher sind. Für Paare mit Kinderwunsch ist der Einzelembryotransfer daher die empfohlene Option.

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