Haarausfall als mögliche Nebenwirkung von GLP-1-Medikamenten
Eine neue Studie der University of Pennsylvania deutet darauf hin, dass GLP-1-Medikamente wie Ozempic oder Wegovy zu Haarausfall führen können. Die Forscher um David Asch und Yong Chen analysierten Daten von mehr als 50.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes und stellten fest, dass das Risiko für Haarausfall bei GLP-1-Anwendern im Vergleich zu anderen Diabetes-Medikamenten signifikant erhöht ist.
Studiendesign und Ergebnisse
In der Untersuchung wurden etwa 12.000 GLP-1-Anwender mit rund 15.000 Patienten verglichen, die SGLT-2-Hemmer einnahmen. In einer zweiten Gruppe standen knapp 12.000 GLP-1-Anwender mehr als 11.200 Personen gegenüber, die DPP-4-Hemmer verwendeten. Alle Teilnehmer nahmen ihre Medikamente mindestens zwei Jahre lang ein. Nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und Vorerkrankungen zeigte sich: Das Risiko für Haarausfall lag bei GLP-1-Anwendern im Vergleich zu SGLT-2-Hemmer-Nutzern um 37 Prozent höher und im Vergleich zu DPP-4-Hemmer-Nutzern sogar um 68 Prozent höher.
Mögliche Ursache: schneller Gewichtsverlust
Die Forscher betonen, dass es sich um einen statistischen Zusammenhang handelt, der keinen kausalen Nachweis liefert. Sie vermuten, dass der Haarausfall nicht direkt durch den Wirkstoff Semaglutid oder Tirzepatid verursacht wird, sondern durch den raschen Gewichtsverlust, der durch die Medikamente ausgelöst wird. „Gewichtsverlust und Veränderungen des Ernährungszustands, häufige Folgen einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten, sind etablierte Risikofaktoren für Telogen-Effluvium, eine häufige und typischerweise vorübergehende Form des nicht-vernarbenden Haarausfalls, und liefern einen plausiblen biologischen Mechanismus für diesen Zusammenhang“, schreiben die Forschenden.
Seltene Nebenwirkung
Telogen-Effluvium tritt auf, wenn ein physischer oder emotionaler Schock – wie eine Operation, starkes Fieber, eine Geburt, eine Diät oder extremer Stress – dazu führt, dass Haarfollikel vorzeitig in die Ruhephase (Telogenphase) fallen. Dies führt zwei bis drei Monate später zu vermehrtem Haarausfall. Die Forscher betonen, dass es sich um eine seltene Nebenwirkung handelt, die ihren Berechnungen zufolge in 3 bis 9 Fällen pro 1000 Patienten pro Jahr auftritt. „Diese Ergebnisse können die gemeinsame Entscheidungsfindung bei der Erwägung einer Therapie mit GLP-1-Rezeptoragonisten unterstützen“, schreiben die Forschenden, deren Ergebnisse im „British Medical Journal“ veröffentlicht wurden.



