Das insolvente Jüdische Krankenhaus Berlin (JKB) steht vor einer ungewissen Zukunft. Der Aufsichtsrat der landeseigenen Vivantes-Kliniken hat am Dienstag über eine Machbarkeitsanalyse beraten, die im Auftrag von Finanzsenator Stefan Evers (CDU) erstellt wurde. Darin beziffert Vivantes die Gesamtkosten einer Übernahme auf rund 180 Millionen Euro. Diese Summe umfasst nicht nur die Tilgung der Schulden, sondern auch notwendige Investitionen in IT, Medizintechnik und die Gebäudesubstanz.
Schulden und Investitionsbedarf
Allein bei der Hauptgläubigerbank belaufen sich die Verbindlichkeiten des JKB auf 35 Millionen Euro. Hinzu kommen erhebliche Investitionen in die Infrastruktur. Die Analyse wurde im Kontrollgremium des Landeskonzerns besprochen, das aus Vertretern des Senats und externen Experten besteht. Ein Vivantes-Sprecher wollte sich zu den internen Berechnungen nicht äußern.
Interessenten und mögliche Träger
Viele Beschäftigte des JKB wünschen sich eine Übernahme durch einen öffentlichen Träger. In Berlin kommen dafür vor allem die Vivantes-Kette und die ebenfalls landeseigene Charité infrage. Auch im Senat gibt es Stimmen, die eine Übernahme durch Vivantes favorisieren. Parallel dazu hat der private türkische Klinikkonzern Medicana ein Angebot vorgelegt, das die Übernahme des JKB samt Verbindlichkeiten vorsieht. Medicana ist in Südosteuropa für Schönheitsoperationen bekannt, in Deutschland jedoch bisher nicht aktiv. Vertreter des Konzerns sollen den Gläubigern einen Finanzplan präsentiert haben und haben auch mit der Gesundheitsverwaltung unter Senatorin Ina Czyborra (SPD) gesprochen, um sich für den Versorgungsauftrag zu bewerben. Die Gesundheitsverwaltung bestätigte, dass man den „Antrag eines Anbieters“ prüfe.
Medizinische Schwerpunkte und Standortwert
Welchen medizinischen Schwerpunkt das JKB nach der Insolvenz setzen wird, hängt vom künftigen Betreiber ab. Innerhalb des Vivantes-Konzerns wird insbesondere die Psychiatrie als plausibler Schwerpunkt eingestuft. Der Wert des JKB-Areals nahe der Osloer Straße wird auf 50 bis 70 Millionen Euro geschätzt. Die Entscheidung über die Zukunft der traditionsreichen Klinik wird in den kommenden Wochen erwartet.



