Der Zehlendorfer Tunnel-Bankraub hielt Berlin tagelang in Atem: Täter nahmen 16 Geiseln, erbeuteten Millionen und entkamen durch einen selbst gegrabenen Tunnel. Doch der fast perfekte Coup scheiterte an dilettantischer Tarnung.
Der Überfall und die Geiselnahme
Am 27. Juni 1995 überfielen mehrere Personen die Commerzbank-Filiale in der Matterhornstraße Ecke Breisgauer Straße in Zehlendorf. Sie nahmen alle Kunden und Angestellten als Geiseln und verschanzten sich in der Bank. Die Polizei umstellte das Gebäude schwer bewaffnet. Millionen verfolgten das Geschehen live im Fernsehen. Die Gangster forderten Lösegeld und Fluchtautos, während die Polizei verhandelte. Die Verhandlungen zogen sich über Stunden hin, begleitet von lautem Hämmern und Bohren aus der Bank – die Täter knackten Schließfächer, wie alle dachten.
Die überraschende Flucht
In der Nacht zum 28. Juni stürmte die Polizei die Bank und befreite die Geiseln. Doch die Täter waren verschwunden – mitsamt fünfeinhalb Millionen Mark und dem Inhalt unzähliger Schließfächer. Im Keller der Bank klaffte ein 60 Zentimeter breites Loch im Betonboden, das in einen Tunnel führte. Die Polizei zögerte, den Tunnel zu betreten, aus Angst vor Sprengfallen. Eine Geisel berichtete später: „Die hatten sogar Butterbrote für uns dabei und Mineralwasser, haben uns korrekt behandelt.“ Die öffentliche Stimmung kippte zugunsten der Geiselnehmer, denen ein genialer Coup gelungen schien.
Die Aufklärung des Falls
Die Ermittler fanden den Tunnelausgang 120 Meter entfernt in einer Garage, dessen Beton noch feucht war. Die Täter hatten über ein Jahr lang gegraben: einen 20 Meter langen Tunnel von der Garage zur Straße, dann durch einen Regenwasserkanal und schließlich einen 50 Meter langen Tunnel bis unter die Commerzbank. Sie arbeiteten mit Kompass, Maßband und viel Gefühl. Rückschläge gab es: Ein Gangster wäre im Regenwasserkanal fast ertrunken, und als der Bürgersteig über dem Tunnel absackte, ruhte die Arbeit mehrere Wochen. Ein Tiefbauarbeiter füllte die Stelle auf, ohne den Tunnel zu bemerken – „Es war Freitag, und der Mann war offenbar betrunken“, so die Polizei.
Die Verhaftung und die Enttäuschung
Die Ermittler kamen über die Mieter der Garagen auf die Spur der Täter. Die Gang bestand aus drei Syrern, einem Libanesen, einem Italiener und einem Deutschen. Sie verwickelten sich in Widersprüche, Telefonabhörung und Hausdurchsuchungen führten zu Beweisen. Die Polizei zeigte sich „enttäuscht über die Geiselgangster“ (Berliner Zeitung) angesichts ihrer dilettantischen Tarnung. Der Chef der Sonderkommission Commerzbank sagte: „Die inhaftierten Männer sprechen mit uns.“ Ein entscheidender Fehler der Täter war, dass einer von ihnen während der Vorbereitungen so stark zugenommen hatte, dass er fast nicht mehr durch den Tunnel passte – die Gang musste die Flucht beschleunigen und vernachlässigte die Tarnung.



