Die Polizei Kiel hat ein Ermittlungsverfahren gegen den deutschen Hauptverdächtigen im Fall des verschwundenen britischen Mädchens Madeleine „Maddie“ McCann eingeleitet. Christian B. soll am 6. Juni 2026 im Rahmen einer polizeilichen Maßnahme einen Beamten körperlich angegriffen und verletzt haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen eines körperlichen Angriffs beziehungsweise Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte.
Rangelei vor einem Supermarkt
Nach Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ kam es zu einer „Rangelei“ vor einem Supermarkt in Kiel. Demnach soll B. die Polizisten zuvor mit seinem Handy fotografiert haben. Als die Beamten ihn aufforderten, das Mobiltelefon auszuhändigen, habe er sich geweigert. Im Verlauf der Auseinandersetzung erlitt einer der Polizisten eine Verletzung am Knie.
B.s Anwalt bestätigte den Vorfall, kritisierte jedoch das Vorgehen der Polizei als überzogen. Sein Mandant habe die Aufnahmen aus einer Entfernung von mehr als 40 Metern gemacht, erklärte der Rechtsanwalt. Die Polizei selbst gab aufgrund des laufenden Verfahrens keine weiteren Details preis.
Hintergrund: B. unter ständiger Überwachung
Der mehrfach vorbestrafte Sexualstraftäter war erst im September 2025 aus der Justizvollzugsanstalt in Niedersachsen entlassen worden, nachdem er eine siebenjährige Haftstrafe unter anderem wegen Vergewaltigung verbüßt hatte. Dieser Fall steht in keinem Zusammenhang mit dem Maddie-Verschwinden. Seither lebt B. in einer städtischen Unterkunft in Kiel und wird rund um die Uhr von der Polizei überwacht.
Ein gerichtliches Gutachten bescheinigt B. eine hohe Rückfallgefahr. Da es derzeit keine rechtliche Grundlage für eine erneute Inhaftierung gibt, unterliegt er der Führungsaufsicht. Zu den Auflagen gehört das Tragen einer elektronischen Fußfessel zur Positionsbestimmung.
Der Fall Maddie McCann
Die Staatsanwaltschaft Braunschweig stufte B. 2020 als offiziellen Verdächtigen im Fall der 2007 verschwundenen Maddie McCann ein. Eine Anklage wurde bisher nicht erhoben. Maddie war aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz verschwunden, während ihre Eltern in einem nahe gelegenen Restaurant aßen. Trotz intensiver internationaler Suche blieb das Kind verschollen. Der Fall erregt seit jeher großes Medieninteresse. Die Ermittler gehen davon aus, dass B. sich zeitweise in Portugal aufgehalten hat.



