Der entlassene ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow besteht auf seiner Rückkehr ins Amt. „Heute gibt es im Staat nur drei Posten, außer auf dem Schlachtfeld, die den Kriegsverlauf real beeinflussen: der Präsident der Ukraine, der Verteidigungsminister und der Oberkommandierende der Streitkräfte“, sagte Fedorow Journalisten. Er sei deshalb mit keinem anderen Amt als dem des Verteidigungsministers einverstanden. Zuvor hatte Präsident Wolodymyr Selenskyj auf einer Pressekonferenz bestätigt, Fedorow mehrere Positionen angeboten zu haben, darunter die eines Vizeregierungschefs für militärische Innovationen. Fedorow wurde im Rahmen eines Regierungsumbaus vergangene Woche entlassen. Mehrere Tausend Demonstranten in Kiew und anderen Städten forderten daraufhin seine Wiedereinsetzung und die Entlassung von Armeechef Olexander Syrskyj. Der zweiten Forderung kam Selenskyj am Dienstag nach. Doch die Organisatoren der Proteste wollen auch Fedorow zurück und drohen andernfalls mit Dauerdemos, die am Freitag starten sollen.
EU verhängt 21. Sanktionspaket gegen Russland
Die EU-Staaten haben sich angesichts des anhaltenden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine auf ein neues Sanktionspaket verständigt. Die Pläne sehen unter anderem weitere Maßnahmen gegen den russischen Finanz- und Energiesektor sowie ein Einreiseverbot für russische Soldaten vor, wie EU-Diplomaten in Brüssel mitteilten. Um Russlands Einnahmen aus Ölexporten zu begrenzen, ist geplant, die automatische Anpassung des sogenannten Ölpreisdeckels für zwölf Monate auszusetzen. Dieser müsste sonst wegen der gestiegenen Weltmarktpreise infolge des Iran-Kriegs und der weitgehenden Blockade der Straße von Hormus angehoben werden, was mehr Geld für Russland bedeuten würde. Der Ölpreisdeckel gilt für den Verkauf von russischem Öl in Drittstaaten wie Indien, China oder die Türkei und wurde 2022 gemeinsam mit den USA und Japan, Kanada und Großbritannien eingeführt. Die Einigung war von wochenlangen schwierigen Verhandlungen zwischen den Mitgliedstaaten vorausgegangen. Mehrere Hauptstädte setzten dabei Abschwächungen oder Zugeständnisse zugunsten heimischer Unternehmen durch.
Türkischer Frachter im Schwarzen Meer von Drohne getroffen – ein Toter
Der türkische Kohlefrachter MV Reyhan Sarı ist im Schwarzen Meer von einer Drohne getroffen worden. Dabei starb ein Besatzungsmitglied, zwei weitere wurden verletzt. Dies berichten mehrere türkische Medien sowie das Fachmagazin „Lloyds List“. Demnach transportierte das Schiff Kohle aus dem russischen Taman nahe der Halbinsel Krim und war auf dem Weg nach Trabzon. Die Drohne schlug in der Nähe von Novorossiysk ein. Über die Urheberschaft des Angriffs ist bislang öffentlich noch nichts bekannt.
ISW: Russland übertreibt Erfolge an der Front massiv
Russische Regierungsvertreter übertreiben systematisch die Gebietsgewinne der eigenen Armee und schaffen damit ein verzerrtes Bild des Kriegsverlaufs, das vermutlich die Entscheidungen von Wladimir Putin beeinflusst. Dies geht aus dem Bericht des Institute for the Study of War (ISW) vom 22. Juli hervor. Nach Einschätzung der Analysten bestärkt die Darstellung einer erfolgreichen Offensive den Kreml darin, an seinen Maximalforderungen gegenüber der Ukraine festzuhalten. Das russische Verteidigungsministerium verbreitete die Behauptung, die russische Armee habe im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 2.226 Quadratkilometer erobert. Nach den auf Geolokalisierungsdaten beruhenden Berechnungen des ISW rückten russische Truppen jedoch lediglich auf einer Fläche von etwa 626,85 Quadratkilometern vor oder drangen dort ein. Unter Berücksichtigung ukrainischer Gegenangriffe belief sich Russlands territorialer Nettogewinn seit Jahresbeginn demnach auf lediglich rund 81,1 Quadratkilometer.
Weitere Entwicklungen: Tote bei russischen Bomben und ukrainischen Angriffen
Bei russischen Bombenangriffen auf die Industriestadt Pawlohrad in der Ostukraine sind mindestens drei Menschen getötet worden. Gut ein Dutzend seien verletzt worden, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj bei Telegram mit. Angegriffen worden sei das Gelände eines Unternehmens. Verletzte habe es auch bei Attacken auf die Stadt Cherson in der Südukraine gegeben. Selenskyj forderte die westlichen Partnerstaaten erneut zur Lieferung von Flugabwehrraketen für das Patriot-System auf. Bei ukrainischen Gegenangriffen sind in Russland und auf der besetzten Schwarzmeer-Halbinsel Krim nach russischen Angaben mindestens drei Menschen getötet worden. Durch einen Drohnenangriff sei ein Brand in einem Wohnhaus in einem Vorort von Woronesch ausgebrochen, schrieb der Gouverneur des Gebiets, Alexander Gussew, bei Telegram. Ein Dreijähriger sei dabei ums Leben gekommen. Auf der Krim wurden nach Angaben des von Moskau eingesetzten Verwaltungschefs Sergej Aksjonow zwei Menschen bei ukrainischen Angriffen getötet. Fünf weitere seien verletzt worden.
Selenskyj: Neue Militärführung soll Mobilmachung verbessern; Treffen mit US-Vertretern erwartet
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj beauftragt die neue Militärführung mit einer besseren Mobilmachung und will den abgesetzten Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow im Kabinett halten. Der neue Verteidigungsminister Jewhenij Chmara und der neue Oberbefehlshaber Mychajlo Drapatyj müssten die Rekrutierung von Soldaten verbessern, sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Interfax-Ukraine zufolge am Donnerstag. Fedorow seien mehrere Posten angeboten worden, darunter ein Ressort für Verteidigungsinnovationen im Rang eines Vizeministerpräsidenten. Vertreter der Ukraine und der USA könnten sich nach den Worten Selenskyjs in den kommenden Tagen in den USA treffen. Er habe am Mittwoch mit den US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner über Ideen zur Wiederbelebung der Friedensgespräche mit Russland gesprochen.
Ukrainische Angriffe auf Russland drosseln Ölförderung in Kasachstan
Die ukrainischen Angriffe auf die russische Energieinfrastruktur treffen nun auch die Ölproduktion in Kasachstan. Nach der Schließung eines wichtigen Export-Terminals am Schwarzen Meer ist die Ölförderung des zentralasiatischen Landes eingebrochen, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Donnerstag von zwei Brancheninsidern erfuhr. Das Verladeterminal des Kaspischen Pipeline-Konsortiums CPC am russischen Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk war am Montag nach Drohnenangriffen auf Öltanker geschlossen worden. Besonders stark sei der Rückgang im vom US-Konzern Chevron geführten Tengis-Feld, dem größten Ölfeld Kasachstans. Dort habe sich die Produktion am Mittwoch auf rund 406.000 Barrel pro Tag mehr als halbiert.
Unesco setzt Stadt Chersones auf Krim auf Liste gefährdeten Welterbes
Die Unesco hat die antike Stadt Chersones auf der von Russland annektierten ukrainischen Halbinsel Krim auf die Liste des gefährdeten Welterbes aufgenommen. Sie sei unter der russischen Besatzung durch Bauarbeiten und archäologische Aktivitäten bedroht, erklärte die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur am Donnerstag. Seit Russlands Annexion der Krim hat die Unesco keinen Zugang mehr zu der antiken Stadt. Die Unesco zeigte sich besorgt angesichts Satellitenbilder, die Bauarbeiten vor Ort zeigen. Darunter soll ukrainischen Angaben zufolge ein neues, von den von Russland eingesetzten Behörden errichtetes „Amphitheater“ sein.
Russischer Kampfjet bei Moskau abgestürzt
Ein russischer Kampfjet ist in der Nähe der Hauptstadt Moskau abgestürzt. Der Unfall sei kurz nach dem Start passiert, der Pilot habe sich per Schleudersitz retten können, teilte das Verteidigungsministerium in Moskau russischen Nachrichtenagenturen zufolge mit. „Das Flugzeug ist in unbewohnter Gegend abgestürzt, es gibt keine Zerstörungen am Boden“, heißt es in der Mitteilung. Medienberichten zufolge handelt es sich bei der Maschine um eine der modernen Su-57. Die Behörden ermitteln offiziell wegen eines technischen Fehlers im Flugzeug. Der russische Militärblogger Wladimir Romanow deutete hingegen an, dass der Kampfjet von der eigenen Flugabwehr abgeschossen wurde. Belege für diese Version lieferte er nicht.



