Der türkische Journalist der Deutschen Welle, Alican Uludağ, ist am Nachmittag des 21. Juli 2026 in Ankara erneut festgenommen worden. Erst rund zwei Monate zuvor war er aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Die Festnahme erfolgte aufgrund neuer Vorwürfe, die die türkische Justiz gegen ihn erhoben hat.
Neue Vorwürfe nach kritischem Post auf X
Wie sein Anwalt der Nachrichtenagentur dpa bestätigte, wurde Uludağ in Gewahrsam genommen und zur Staatsanwaltschaft in Ankara gebracht. Grund seien Ermittlungen gegen ihn nach einem Beitrag auf der Plattform X, in dem er sich kritisch über die türkische Justiz geäußert hatte. Die Staatsanwaltschaft in Ankara teilte mit, sie habe Ermittlungen wegen Beiträgen aufgenommen, die zu „öffentlichem Hass und Feindseligkeit“ anstachelten und in denen Falschinformationen verbreitet worden seien. Um welche konkreten Kommentare es sich handelt, gab die Behörde nicht bekannt.
Journalist bereits 90 Tage in Haft
Der in Ankara ansässige Reporter war bereits im Februar 2026 wegen „Beleidigung des Präsidenten“ festgenommen worden und hatte rund 90 Tage im berüchtigten Gefängnis Silivri nahe Istanbul verbracht. In dem damaligen Verfahren, das weiterhin läuft, wurde ihm ebenfalls „Verbreitung von Falschinformationen“ sowie „öffentliche Herabwürdigung von Justizeinrichtungen“ vorgeworfen. Hintergrund war offenbar ein Beitrag, in dem Uludağ die Freilassung mutmaßlicher Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kritisierte und der türkischen Regierung Korruption vorwarf.
Die Bundesregierung und Menschenrechtsorganisationen hatten damals seine Freilassung gefordert. Im Mai 2026 ordnete ein Gericht schließlich die Entlassung an, die Anklage blieb jedoch bestehen. Der nächste Gerichtstermin in diesem Verfahren ist laut Deutscher Welle für den 18. September 2026 angesetzt.
Deutsche-Welle-Intendantin zeigt sich besorgt
Deutsche-Welle-Intendantin Barbara Massing nannte die erneute Festnahme „zutiefst besorgniserregend“ und erklärte: „Journalistische Arbeit darf nicht kriminalisiert werden. Wir erwarten, dass seine Rechte uneingeschränkt gewahrt werden, und fordern auch hier ein rechtsstaatliches und faires Verfahren.“ Laut der Deutschen Welle wird gegen Uludağ nun „mit neuen Vorwürfen in einem weiteren Verfahren ermittelt“.
Systematische Verfolgung von Journalisten
In der Türkei sind in den vergangenen Jahren Zehntausende Menschen wegen „Beleidigung des Präsidenten“ oder ähnlicher Delikte strafrechtlich verfolgt worden – häufig aufgrund von Beiträgen im Internet. Die erneute Festnahme von Uludağ reiht sich damit in ein Muster der Einschränkung der Pressefreiheit ein. Der Journalist ist seit mehreren Jahren für die Deutsche Welle in der Türkei tätig und berichtet als Gerichtsreporter über Menschenrechtsverletzungen, Korruptionsfälle und Prozesse. Seine Berichte erreichen eine breite Öffentlichkeit.



