KI in Bewerbungen: Prompt versehentlich mitkopiert – Recruiterin verrät Tricks
KI in Bewerbungen: Prompt versehentlich mitkopiert

Recruiterin Diana Gajic erlebt täglich, wie Bewerber Künstliche Intelligenz (KI) für ihre Unterlagen nutzen – oft mit peinlichen Patzern. „Einmal hat ein Bewerber sogar versehentlich seinen Prompt mit ins Anschreiben kopiert“, berichtet die Expertin, die an manchen Tagen Hunderte Bewerbungen sichtet. In einem Interview mit dem SPIEGEL erklärt sie, warum KI-gestützte Bewerbungen zunehmen und wie man aus der Masse hervorsticht.

KI als Standard – aber mit Risiken

„Bewerbung schreiben ohne ChatGPT? Macht heute kaum noch jemand“, glaubt Gajic. Die Nutzung von KI-Tools sei inzwischen weit verbreitet, doch viele Bewerber würden die Technologie unkritisch einsetzen. „Die Texte sind oft optimiert, aber austauschbar“, kritisiert die Recruiterin. Besonders auffällig seien Floskeln und eine fehlende persönliche Note. „Wer nur den Prompt ‚Schreibe ein Anschreiben für eine Stelle als Marketingmanager‘ eingibt, erhält eine Standardantwort, die auf jeden passt.“

Der verräterische Prompt-Fehler

Ein besonders kurioser Fall sei ein Bewerber gewesen, der den gesamten KI-Prompt im Anschreiben vergaß. „Das fiel sofort auf“, sagt Gajic. Solche Fehler führten meist zur sofortigen Ablehnung. „Wir suchen nach Authentizität und Engagement. Ein kopierter Prompt zeigt, dass der Kandidat sich nicht einmal die Mühe gemacht hat, das Ergebnis zu prüfen.“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Tipps, um aus der Masse herauszustechen

Gajic rät Bewerbern, KI als Werkzeug, nicht als Ersatz zu nutzen. „Der erste Entwurf kann von der KI kommen, aber dann muss man ihn personalisieren.“ Dazu gehöre, konkrete Bezüge zum Unternehmen herzustellen und eigene Erfahrungen einzubringen. „Ein Anschreiben sollte zeigen, dass ich mich mit der Firma beschäftigt habe – das kann keine KI leisten.“

Statistiken und Trends

Laut einer aktuellen Umfrage nutzen bereits 45 Prozent der Bewerber KI-Tools für ihre Unterlagen. Bei jungen Berufseinsteigern liegt der Anteil sogar bei über 60 Prozent. „Die Qualität variiert stark“, so Gajic. „Während einige Bewerber die KI geschickt einsetzen, liefern andere lieblose Standardtexte ab.“

Die Rolle der Recruiter

Gajic und ihr Team müssen daher immer genauer hinschauen. „Wir achten auf Details: Sind die Formulierungen individuell? Gibt es konkrete Beispiele? Fehlen persönliche Elemente, sortieren wir die Bewerbung schnell aus.“ Sie empfiehlt, das Anschreiben immer noch einmal laut zu lesen – und auf KI-Typisches wie übertriebene Höflichkeitsfloskeln zu achten.

Zukunft der Bewerbung

Die Recruiterin erwartet, dass KI in Zukunft noch stärker genutzt wird. „Aber die Anforderungen an Authentizität steigen gleichzeitig.“ Wer bestehen wolle, müsse die KI als Assistenten begreifen, nicht als Autor. „Am Ende zählt der Mensch dahinter – und das sollte man auch zeigen.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration