Kürzungen bei internationalen Hilfsgeldern: Unicef-Vizechef schlägt Alarm
Die Vereinigten Staaten, Deutschland und weitere Geberländer haben ihre Ausgaben für humanitäre Hilfe drastisch reduziert. Ted Chaiban, stellvertretender Exekutivdirektor des Kinderhilfswerks Unicef, warnt in einem Interview mit dem SPIEGEL vor verheerenden Konsequenzen. Die Kürzungen träfen die verletzlichsten Menschen weltweit und gefährdeten das gesamte System der internationalen Nothilfe.
Hilfskräfte zunehmend gefährdet
Chaiban betont, dass Helfer in Krisengebieten immer häufiger selbst zu Zielscheiben werden. „Helfer, die versuchen, Gutes zu tun, werden zu Zielscheiben“, sagte er. Besonders prekär sei die Lage in Konflikten wie in Gaza, wo die Sicherheit humanitärer Mitarbeiter nicht gewährleistet sei. „Ein Konflikt, der tödlicher für Helfer war als jeder andere“, so Chaiban mit Blick auf die jüngsten Ereignisse. Die Kürzungen verschärften diese Risiken zusätzlich, da weniger Ressourcen für Schutzmaßnahmen zur Verfügung stünden.
Dramatische Folgen für die Betroffenen
Die Reduzierung der Mittel führe dazu, dass lebenswichtige Programme wie Ernährungs- und Gesundheitshilfe eingestellt oder stark eingeschränkt werden müssten. Chaiban zufolge sind Millionen von Kindern und Familien auf diese Unterstützung angewiesen. Ohne ausreichende Finanzierung drohten Hungersnöte und der Zusammenbruch von Gesundheitssystemen in ohnehin fragilen Regionen. „Die humanitäre Hilfe steht am Scheideweg“, warnte der Unicef-Vizechef.
Deutschland als Beispiel für Kürzungen
Neben den USA hat auch Deutschland seine Beiträge für internationale Hilfsorganisationen reduziert. Die Bundesregierung hatte im Haushalt 2025 deutliche Einsparungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit vorgenommen. Kritiker werfen der Regierung vor, damit ihrer globalen Verantwortung nicht gerecht zu werden. Chaiban appellierte an die Geberländer, ihre Zusagen einzuhalten und die Finanzierung nicht weiter zu kürzen.
Zukunft der humanitären Hilfe ungewiss
Die Frage nach der Zukunft der humanitären Hilfe steht laut Chaiban im Raum. Er forderte eine Neuausrichtung der internationalen Zusammenarbeit, um die Effizienz zu steigern und gleichzeitig die Mittel aufzustocken. Ohne ein Umdenken drohe ein Systemkollaps. „Wir brauchen mehr Engagement, nicht weniger“, so der Unicef-Vizechef abschließend.



