Selenskyj entlässt Verteidigungsminister Fedorow nach sechs Monaten
Selenskyj entlässt Verteidigungsminister Fedorow

Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow nach nur sechs Monaten im Amt entlassen. Das berichtete zunächst der „Financial Times“-Korrespondent Christopher Miller unter Berufung auf mehrere Personen aus dem Umfeld des ukrainischen Präsidenten. Wenig später wurde Fedorows Abberufung auch in der Parlamentsfraktion bekannt gegeben. Fedorow selbst bestätigte am Mittwochabend auf Telegram sein Ausscheiden aus dem ukrainischen Kabinett mit den Worten: „Es war eine große Ehre, dem ukrainischen Volk als Verteidigungsminister zu dienen.“

Große Kabinettsumbildung in Kiew

Die Entlassung ist Teil einer großen Kabinettsumbildung. Präsident Selenskyj will seiner Regierung nach eigenen Angaben neuen Schwung verleihen. Es ist bereits die dritte größere Regierungsumbildung seit Beginn der russischen Invasion im Jahr 2022. Als Nachfolger von Fedorow wird Innenminister Ihor Klymenko (53) gehandelt. Der ehemalige Polizeigeneral steht seit Februar 2023 an der Spitze des ukrainischen Innenministeriums, zuvor war er Chef der Nationalen Polizei der Ukraine. Nach den Berichten soll Selenskyj Klymenko am Donnerstag, wenn er seine neue Regierung vorstellt, als Verteidigungsminister vorschlagen.

Vom Digitalminister zum Verteidigungschef

Für Fedorow endet damit nach nur rund sechs Monaten die Zeit an der Spitze des Verteidigungsministeriums. Erst Anfang des Jahres hatte Selenskyj den früheren Digitalminister auf den Posten berufen. Der 35-Jährige galt als Architekt der ukrainischen Drohnen-Offensive und trieb den Einsatz Künstlicher Intelligenz und die Digitalisierung der Streitkräfte voran. Zudem galt er als Kämpfer gegen Korruption im Verteidigungsapparat. Zuvor hatte er mit der Staats-App „Diia“ die Digitalisierung der Ukraine maßgeblich geprägt und enge Partnerschaften mit internationalen Technologie- und Rüstungsunternehmen aufgebaut.

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Zu beliebt für Selenskyj?

Nach Informationen der „Financial Times“ eckte Fedorow zuletzt bei mächtigen Politikern und Militärs an. Dem Bericht zufolge blockierte er umstrittene Rüstungsaufträge und machte sich damit mächtige Gegner. Besonders mit dem Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Oleksandr Syrskyj (61), soll es Streit über Strategie, Waffenbeschaffung und den Verteidigungshaushalt gegeben haben. Der ukrainische Generalstab weist entsprechende Berichte zurück. Zugleich berichtet die „Financial Times“ unter Berufung auf Personen aus Selenskyjs Umfeld, Fedorow sei zuletzt so populär geworden, dass er im Präsidentenlager zunehmend als möglicher politischer Rivale gesehen worden sei. Selenskyj fürchte demnach Konkurrenz durch den 35-Jährigen bei einer künftigen Präsidentschaftswahl. Bestätigt ist das nicht.

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