Wenn sich am Mittwoch die Mannschaften von Argentinien und England im Halbfinale der Fußball-WM gegenüberstehen, geht es natürlich vor allem um Sport. Um das friedliche Kräftemessen zweier Spitzenmannschaften aus Europa und aus Lateinamerika. Doch bei vielen älteren Bürgern beider Länder schwingt da womöglich noch die Erinnerung an einen wirklichen Kampf, an einen Krieg zwischen ihren beiden Nationen mit. Zu einer Zeit, die politisch vor allem vom Kalten Krieg zwischen der Sowjetunion und den USA geprägt war, trugen hier zwei Länder des Westens für 70 Tage einen heißen, bewaffneten Konflikt aus: den Falkland-Krieg von 1982.
Konflikt um die Falklandinseln
Immer wieder hatte es zwischen Großbritannien und Argentinien Streit um die mehrere Hundert Kilometer vom argentinischen Festland entfernte Inselgruppe im Südatlantik gegeben. Seit 1833 erhob Argentinien formal Anspruch auf die kaum bewohnten Inseln, die kurz zuvor von Großbritannien besetzt worden waren. Erst in den 1960er-Jahren begann die argentinische Regierung, ihre Gebietsansprüche aktiver zu vertreten. 1965 stärkte die Vollversammlung der Vereinten Nationen in einer Resolution ihre Position. Mehrere britische Regierungen führten daraufhin über Jahre mit Argentinien Gespräche über den Status der Inseln. Die Inselbevölkerung wollte allerdings gar nicht Teil Argentiniens werden. Daher verlangte London erhebliche Autonomierechte für die etwa 2000 Bewohner.
Militärputsch und Invasion
1976 übernahm in Argentinien nach einem Putsch das Militär die Macht. Die Generäle ließen Oppositionelle entführen, foltern und ermorden. Zugleich war die wirtschaftliche Situation desolat, was zu großer Unzufriedenheit in der Bevölkerung führte. Die Parole, auf den Falklandinseln solle künftig die argentinische Flagge wehen, war dagegen enorm populär. Die Generäle hofften, von der Invasion politisch zu profitieren. Also besetzten Hunderte argentinische Soldaten in den Morgenstunden des 2. April 1982 die Inseln. Die wenigen dort stationierten britischen Soldaten wurden rasch überwältigt. Der UN-Sicherheitsrat verurteilte die Invasion und forderte eine friedliche Lösung.
Britische Rückeroberung und Folgen
Doch Großbritannien verlegte rasch Marineeinheiten und Luftstreitkräfte in die Region, insgesamt etwa 30.000 Soldaten. Die Argentinier hatten etwa 13.000 Soldaten auf den Inseln stationiert. Am 1. Mai begann die britische Armee mit der Rückeroberung des Archipels. Ende Mai landeten ihre Truppen auf den Inseln und zwangen die Argentinier am 14. Juni zur Kapitulation. Über 11.000 Soldaten kamen in britische Gefangenschaft. Mehr als 630 argentinische und über 250 britische Soldaten starben bei den Gefechten. Die britische Öffentlichkeit feierte Premierministerin Margaret Thatcher für den Sieg. In Argentinien aber hatte die Niederlage letztlich das Ende der Diktatur zur Folge. Das Militärregime verlor die Macht, und Argentinien erhielt wieder eine demokratisch gewählte Regierung.
Bis heute belastetes Verhältnis
Erst 1989 schlossen beide Staaten offiziell Frieden und nahmen wieder diplomatische Beziehungen auf. Das Verhältnis zwischen Großbritannien und Argentinien ist bis heute belastet – auch im Fußball. Unvergessen ist etwa das WM-Viertelfinale 1986, als Diego Maradona beim 2:1-Sieg Argentiniens mit der „Hand Gottes“ ein Tor erzielte. Im Fußballstadion sind sich Argentinien und England zuletzt 2005 begegnet – mit einem 3:2-Erfolg für die Engländer.



