Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 steuert auf ihren sportlichen Höhepunkt zu: Im Halbfinale treffen am Dienstagabend in Dallas (21 Uhr, ZDF und MagentaTV) der Vizeweltmeister und Topfavorit Frankreich auf den amtierenden Europameister Spanien. Für viele Beobachter ist dies das vorgezogene Finale. Beide Teams haben im Turnier bisher die souveränsten Auftritte hingelegt. Frankreich besticht mit seiner Star-Truppe um Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé und erzielte bei sechs Siegen 16 Tore – die größte offensive Durchschlagskraft. Spanien hingegen überzeugt als defensiv starke Einheit: Erst im Viertelfinale gegen Belgien kassierte die Furia Roja das erste Gegentor bei dieser WM, bei einer Torbilanz von 11:1. Seit 36 Spielen ist das Team ungeschlagen und setzt auf Ballbesitzfußball im Stil eines Tiki-Taka 2.0.
Rassistische Nebengeräusche trüben die Vorfreude
Wenige Tage vor dem Anpfiff sorgten Aussagen des früheren spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy für einen Eklat. In einem Gastbeitrag für ein Online-Medium bezeichnete er den französischen Kader als „von höchstem Niveau. Allerdings ohne Franzosen“ – eine Anspielung auf die multiethnische Zusammensetzung des Teams. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Frankreichs Verbandspräsident Philippe Diallo sprach von „unerträglichen rassistischen Untertönen“. Die französische Regierung beklagte „wiederholte rassistische Entgleisungen“; eine Ministerin warf Spanien sogar einen „systematischen und verharmlosten Hass auf Frankreich“ vor. Der amtierende spanische Ministerpräsident Pedro Sanchez versuchte zu beschwichtigen und schrieb auf X: „Frankreich, wir sehen uns im Halbfinale. Möge der Bessere gewinnen und der Rassismus verlieren.“
Psychospielchen und historische Vergleiche
Trainer Didier Deschamps schiebt die Favoritenrolle genüsslich zu den Spaniern: „Ich kann bestätigen, dass sie die Favoriten sind“, sagte der Weltmeister von 1998. Er wolle Spaniens Coach Luis de la Fuente nicht unter Druck setzen, „aber die Erwartungen an Spanien sind hoch.“ Die Bilanz der jüngsten Duelle spricht für Spanien: Im EM-Halbfinale 2024 setzten sich die Iberer mit 2:1 durch, Tore von Lamine Yamal und Dani Olmo. In der Nations League 2025 gewann Spanien ein wildes Spiel mit 5:4, nachdem es bereits 4:0 geführt hatte – Yamal traf doppelt. Frankreichs Jungstar Kylian Mbappé steht im Fokus, er kämpft im Fernduell mit Lionel Messi um die ewige WM-Torjägerkrone: Beide haben in diesem Turnier acht Mal getroffen, in der ewigen Liste führt Messi mit 21 zu 20 Toren.
Ein Spiel mit historischer Dimension
Für Frankreich geht es um den dritten WM-Finaleinzug in Folge – das gelang zuletzt Brasilien (1994, 1998, 2002). Das Halbfinale findet zudem am französischen Nationalfeiertag, dem 14. Juli, statt. „Der 14. Juli ist ein symbolträchtiger Tag für Frankreich. Ich wusste nicht, dass wir zum ersten Mal an diesem Tag spielen. Wir werden alles geben, um zu gewinnen und ins Finale einzuziehen“, sagte Deschamps. Für ihn ist es das vorletzte Spiel als Trainer: Nach 14 Jahren hört er nach der WM auf und übergibt an Zinédine Zidane. Das letzte Spiel soll unbedingt in East Rutherford stattfinden, nicht in Miami, wo die Halbfinal-Verlierer um Platz drei spielen. Das Duell verspricht Spitzenfußball – doch die rassistischen Nebengeräusche werfen einen Schatten auf das Gigantenspiel.



