Stromausfall in Reutlingen: LKA prüft Verbindung zu linksextremistischem Blog
Nach dem Anschlag auf das Stromnetz in Reutlingen suchen die Ermittler nach den Tätern – und stoßen auf einen Blog, der die Aktion thematisiert. Ein Bekennerschreiben fehlt bislang.
Nach der mutmaßlichen Brandstiftung im Umspannwerk in Reutlingen, die Anfang der Woche einen großflächigen Stromausfall auslöste, verfolgen die Ermittler eine neue Spur: Laut dem Landeskriminalamt (LKA) Stuttgart wird die Attacke auf einem linksextremistischen Blog thematisiert. Die Ermittler prüfen einen Zusammenhang. Inzwischen sind alle Betroffenen wieder am Netz.
Seit dem späten Mittwochabend seien auch die restlichen rund 50 betroffenen Gewerbekunden wieder angeschlossen, teilten die Netzbetreiber FairNetz und Netze BW mit. Einen Tag zuvor hatten provisorische Netzstrukturen bereits die privaten Haushalte wieder ans Netz gebracht.
Das Feuer in dem Umspannwerk brach in der Nacht zum Montag aus. Nachdem zunächst ein Transformator ausgefallen war, versagte kurze Zeit später die gesamte Anlage. Die Störung weitete sich auf große Teile des Reutlinger Stadtgebiets aus. In der Spitze waren rund 20.000 Haushalte im Netzgebiet der FairNetz betroffen, dazu ein Krankenhaus sowie zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe.
Ermittler gehen von Brandstiftung aus
Die Generalstaatsanwaltschaft und das LKA Stuttgart gehen mittlerweile von einem oder mehreren Tätern aus, die auf das Gelände eindrangen und an mehreren Stellen Feuer legten – unter Verwendung eines Brandbeschleunigers. Den stellten Ermittler am Tatort sicher und untersuchten ihn im LKA. Insgesamt fanden sich drei verschiedene Brandstellen; Zaun und Gelände vor der Anlage waren beschädigt. Ein Bekennerschreiben gibt es bislang nicht.
Der Brandanschlag sei nun auch Thema auf einem linksextremistischen Blog, das LKA prüfe deshalb einen möglichen Zusammenhang. Die Attacke und ihre Folgen seien dort unter der Rubrik „Aktionen/Sabotagen“ veröffentlicht worden, teilte ein LKA-Sprecher mit. Zuvor hatten die „Welt“ und der „Reutlinger General-Anzeiger“ darüber berichtet. Es handelt sich dabei laut LKA nur um eine Spur, der die Ermittler nachgehen.
Bei dem Blog handelt es sich laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) um die Kampagne „Switch off“, die Antikapitalismus mit Klimapolitik verknüpft. „Die Kampagne hat zum einen das Ziel, zur Begehung von Straftaten zu animieren. Zum anderen bietet sie gewaltorientierten Linksextremisten die Möglichkeit, ‚Kämpfe in einen gemeinsamen Kontext zu setzen‘ und diese so zu verbinden“, schreibt das BfV auf seiner Internetseite. Im Zusammenhang mit der Kennzeichnung „Switch off“ werden laut BfV mehr als 100 Straftaten allein in Deutschland aufgeführt. Das LKA Stuttgart konnte dazu zunächst keine Auskunft geben.
Bisher hat sich nach Auskunft des LKA-Sprechers nur eine geringe Anzahl an Menschen gemeldet, die Beobachtungen in der Tatnacht gemacht haben will. Alle Hinweise würden geprüft.



