Am Samstagnachmittag kam es im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg zu einer antisemitischen Hasstirade gegen ein Paar mit Kinderwagen. Ein Mann und eine Frau beschimpften die Familie lautstark. Die Frau trug ein New-York-Cappy und einen Palästinenser-Schal, der Mann ein Shirt mit der arabischen Aufschrift „Intifada“. Das zeigen Videos, die die „Jüdische Allgemeine“ auf X veröffentlichte.
Zeugin schildert die Tat
Eine Deutsche, die in Israel arbeitet, schilderte der „Jüdischen Allgemeinen“ den Vorfall: „Als ich gegen 15.30 Uhr aus einem Uber stieg, hörte ich plötzlich Rufe wie ,Fuck Jews‘, ,Kill the Jews‘, ,Fuck Zionism‘ und ,Viva Hamas‘.“ Die Zeugin begann, die Szene mit ihrem Handy zu filmen. Das Paar, gegen das sich die Parolen richteten, sah sie nur von hinten. Ob die beiden jüdisch oder israelisch waren, konnte sie nicht erkennen. Auch der Grund für die gezielte Attacke blieb unklar.
Bedrohung durch den Täter
Als der Mann bemerkte, dass die Zeugin filmte, ging er auf sie zu. Auf dem Video ist zu hören, wie er sie bedroht: „Handy weg, verpiss dich!“ Er versuchte, ihr das Handy zu entreißen, schubste sie und bedrohte sie. Die Zeugin: „Ich wollte mich zunächst in ein Geschäft in Sicherheit bringen und anschließend so schnell wie möglich zu meiner Freundin gelangen.“ Sie selbst ist nicht jüdisch, arbeitet jedoch in Israel und hat bereits antisemitische Anfeindungen erlebt. Deshalb habe sie sofort verstanden, was dort geschah. Das Auftreten der beiden wirkte auf sie „sehr routiniert“ – sie habe den Eindruck gehabt, dass sie gezielt Menschen einschüchtern wollten. Noch am selben Tag erstattete sie Anzeige bei der Berliner Polizei.
Ermittlungen des Staatsschutzes
Die Polizei bestätigte gegenüber BILD die Anzeige wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Die Ermittlungen führt der Polizeiliche Staatsschutz des Landeskriminalamts. Laut dem Aktivisten-Account „Never Again Berlin“ soll der Mann im „Intifada“-Shirt kein Unbekannter sein. Er soll früher der rechtsnationalen NPD und später dem 2019 aufgelösten linksextremen „Jugendwiderstand“ angehört haben – einer extrem israelfeindlichen, gewaltbereiten Splittergruppe, die sich im Kampfsport trainierte. Auf der Website „Friedensdemowatch“ werden diese Verbindungen mit Fotos belegt. Nach BILD-Informationen war der Mann tatsächlich in beiden Gruppierungen. Ein BILD-Reporter fotografierte ihn bereits 2018 bei einer Demonstration in Berlin im Umfeld des Jugendwiderstands.
Israel-Streit spaltet die Linke
Der Fall reiht sich ein in einen wachsenden Streit innerhalb der linken Szene über Israel. Ein weiterer Vorfall am selben Wochenende verdeutlicht dies: In einem Jugendzentrum in Berlin-Marzahn kam es am Samstag zu einer Auseinandersetzung zwischen linken Gruppierungen. Wie „T-Online“ berichtete, wurden Linke, die von anderen Linken als „Zionisten“ bezeichnet wurden, dort von Vermummten mit Holzlatten bedroht. Am Ende gingen Vermummte beider Seiten mit Baseballschlägern aufeinander los. Dabei gab es 29 Festnahmen. Die israelfreundlichen Linken hatten zuvor auf Instagram gepostet, linke Israelhasser wollten ihr „antifaschistisches Haus in eine Art antizionistisches Zentrum umwandeln“.



