Das nordrhein-westfälische Innenministerium und 16 Fußball-Clubs aus den drei deutschen Profiligen haben eine überarbeitete Kooperationsvereinbarung zur Stadionsicherheit unterzeichnet. Die neue „Kooperationsvereinbarung Stadionallianzen NRW“ baut auf einer ersten Vereinbarung aus dem Jahr 2020 auf und bezieht nun auch die Bundespolizei sowie Vereine der 3. Liga mit ein.
Erweiterter Rahmen für Sicherheit und Entlastung der Polizei
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) betonte bei der Unterzeichnung: „Fußball soll in sicheren Stadien stattfinden und Freude machen, ohne Gewalt und ohne Pyrotechnik. Gleichzeitig müssen wir die Polizei spürbar entlasten, damit nicht jedes Spiel zum Dauereinsatz wird.“ Die Stadionallianzen sollen einen verbindlichen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Vereinen und Polizei an den Spielorten schaffen. Durch die Einbeziehung der Bundespolizei werden künftig auch die Anreisewege der Fans stärker in die Sicherheitskonzepte integriert. Zudem soll die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbeauftragten und Fanvertretern der Vereine gestärkt werden, insbesondere bei den Einlasskontrollen in den Stadien.
Kritik der Faninteressenvertretung
Die Faninteressenvertretung „Unsere Kurve“ äußerte scharfe Kritik an der erweiterten Vereinbarung. In einer Mitteilung hieß es: „Herbert Reul setzt seinen Irrweg stoisch fort – weiterhin wird nur über Fußballfans, aber nicht mit ihnen gesprochen und weiterhin werden sie ausschließlich als Problem behandelt.“ „Unsere Kurve“ ist ein bundesweiter Zusammenschluss von Fanorganisationen, der die Interessen der Fußballfans vertritt.
Hintergrund: Entwicklung der Stadionallianzen
Bereits im Jahr 2020 hatten neun Vereine aus der 1. und 2. Bundesliga gemeinsam mit der Polizei in NRW eine Kooperationsvereinbarung zu „Stadionallianzen gegen Gewalt“ unterzeichnet. Die damalige Initiative zielte darauf ab, Gewaltvorfälle rund um Fußballspiele zu reduzieren und die Sicherheit für alle Beteiligten zu erhöhen. Die nun erweiterte Vereinbarung schließt neben den Clubs der 3. Liga auch die Bundespolizei ein, was eine umfassendere Planung der Anreisewege ermöglicht. Die Sicherheitskonzepte sollen dadurch ganzheitlicher werden und sowohl die Stadien als auch die Umgebung abdecken.
Auswirkungen auf die Spieltagsplanung
Durch die neue Kooperationsvereinbarung sollen die Einlasskontrollen in den Stadien verschärft und die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Sicherheitsdiensten und Fanvertretern intensiviert werden. Ziel ist es, Gewalt und Pyrotechnik in den Stadien zu unterbinden, ohne die Fans unter Generalverdacht zu stellen. Die Vereine sind aufgefordert, ihre Sicherheitskonzepte entsprechend anzupassen und eng mit den Behörden abzustimmen. Die Polizei erhofft sich dadurch eine Entlastung bei Spieltagen, da die Vereine mehr Eigenverantwortung übernehmen.
Reaktionen aus Politik und Gesellschaft
Während die Landesregierung die Vereinbarung als wichtigen Schritt für mehr Sicherheit im Fußball lobt, sehen Kritiker die Maßnahmen als einseitig. Die Fanvertretung bemängelt, dass die Fans selbst nicht in die Entscheidungsprozesse eingebunden werden. „Unsere Kurve“ fordert stattdessen einen konstruktiven Dialog auf Augenhöhe, um Sicherheitsmaßnahmen zu entwickeln, die sowohl die Bedürfnisse der Fans als auch die Sicherheitsanforderungen berücksichtigen. Die Diskussion um die richtige Balance zwischen Sicherheit und Freiheit im Fußballstadion dürfte damit weitergehen.



