Ein spektakuläres Video zeigt, wie ein Orca mit hoher Geschwindigkeit auf einen zuvor erbeuteten Mondfisch zuschwimmt. Kurz vor dem Zusammenstoß lässt ein Weibchen die Beute los, woraufhin der Schwertwal den Fisch rammt und dieser in zahlreiche Stücke zerfällt. Forschende untersuchen nun, warum Orcas dieses Verhalten zeigen.
Brutales Spiel oder Jagdinstinkt?
Die Aufnahmen, die von einem Team um die Meeresbiologin Dr. Anaïs Remili von der Dalhousie University in Kanada veröffentlicht wurden, zeigen ein ungewöhnliches Jagdverhalten. Normalerweise töten Orcas ihre Beute durch Bisse oder Schläge mit der Schwanzflosse. Das gezielte Rammen mit dem Kopf, das den Fisch förmlich explodieren lässt, ist dagegen selten dokumentiert.
„Es könnte sich um eine Art Spiel handeln, bei dem die Orcas ihre Kräfte messen“, mutmaßt Dr. Remili. „Oder aber sie trainieren auf diese Weise ihre Jagdfähigkeiten, insbesondere die jungen Tiere.“ Die Forscherin betont, dass weitere Beobachtungen nötig seien, um das Verhalten eindeutig zu erklären. Die Studie wurde im Fachjournal „Frontiers“ veröffentlicht.
Mondfische als ungewöhnliche Beute
Mondfische (Mola mola) sind keine typische Beute für Orcas. Sie können bis zu drei Meter lang und über zwei Tonnen schwer werden. Ihre harte Haut und die geringe Schwimmgeschwindigkeit machen sie zu einer leichten, aber unhandlichen Beute. Das Rammen könnte eine effiziente Methode sein, den Fisch in mundgerechte Stücke zu zerlegen.
„Wir haben beobachtet, dass die Orcas den Mondfisch zunächst umkreisen und dann in einer koordinierten Aktion rammen“, erklärt Dr. Remili. „Das Weibchen, das die Beute loslässt, spielt dabei eine Schlüsselrolle – es positioniert den Fisch optimal für den Rammanlauf.“
Soziale Interaktionen der Orcas
Das Verhalten könnte auch eine soziale Komponente haben. Orcas leben in komplexen sozialen Gruppen und geben Jagdtechniken von Generation zu Generation weiter. „Es ist möglich, dass diese spezielle Technik des Rammens von einer erfahrenen Jägerin an die jüngeren Tiere weitergegeben wird“, so die Meeresbiologin.
Die Forscher planen nun, weitere Aufnahmen aus der Region auszuwerten, um festzustellen, wie verbreitet dieses Verhalten ist. „Wir müssen herausfinden, ob es sich um eine lokale Tradition handelt oder ob Orcas weltweit so jagen“, sagt Dr. Remili. Die Studie zeigt einmal mehr, wie anpassungsfähig und intelligent diese Meeressäuger sind.



