Die ausgesetzte Rote Karte von der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat ein Nachspiel: Der norwegische Fußballverband hat angekündigt, eine formelle Beschwerde beim Weltverband FIFA einzureichen. Verbandspräsidentin Lise Klaveness begründet diesen Schritt mit der Einmischung von US-Präsident Donald Trump, die nicht ignoriert werden dürfe.
Klaveness: FIFA vertuscht den Fall
In einem Interview mit der englischen Zeitung „The Times“ erklärte Klaveness, sie wolle die Intervention Trumps nicht unbeantwortet lassen. Sie warf den FIFA-Funktionären vor, den Fall vertuschen zu wollen. „Wer gegen eine solche Regel verstößt, begibt sich auf einen gefährlichen Weg und gefährdet den gesamten Sport“, sagte die 45-Jährige. Der norwegische Verband strebe eine vollständige Aufklärung an, insbesondere des Telefonats zwischen Trump und FIFA-Präsident Gianni Infantino.
Hintergrund: Trumps Anruf bei Infantino
Der Fall des US-Stürmers Folarin Balogun hatte während der WM für Aufsehen gesorgt. Balogun war im Turnier mit einer Roten Karte bestraft worden, die Sperre wurde jedoch für das Achtelfinale gegen Belgien aufgehoben. Diese Entscheidung folgte auf einen Anruf von US-Präsident Trump bei FIFA-Chef Infantino. Die Aufhebung einer Roten Karte in der jüngeren WM-Geschichte ist beispiellos. Balogun spielte in Seattle, konnte die 1:4-Niederlage gegen Belgien jedoch nicht verhindern.
UEFA kritisiert Entscheidung scharf
Auch die UEFA hatte den Fall bereits scharf kritisiert. In einem Statement des europäischen Dachverbandes hieß es: „Wir bringen unsere Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung zum Ausdruck.“ Die FIFA habe eine „rote Linie überschritten“. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin verzichtete zudem auf einen Besuch des WM-Finals.
Infantino bestreitet Zusammenhang
FIFA-Präsident Gianni Infantino bestreitet, dass das Telefonat mit Trump etwas mit der aufgehobenen Sperre zu tun habe. Die Entscheidung sei unabhängig von der FIFA-Ethikkommission getroffen worden. Allerdings dankte Trump bei einer Pressekonferenz vor dem Finale Infantino persönlich für die Entscheidung. „Du hast eine großartige, großartige, großartige Entscheidung getroffen“, sagte Trump zu dem neben ihm stehenden Infantino. „Ich weiß, dass du niemals dafür die Anerkennung bekommst.“
Auswirkungen auf den Fußball
Der Fall wirft Fragen nach der Unabhängigkeit der FIFA und der Integrität des Sports auf. Klaveness warnt vor den Konsequenzen: Die Einmischung von Politikern in sportliche Entscheidungen gefährde den gesamten Sport. Der norwegische Verband werde die Beschwerde mit Nachdruck verfolgen.



