Russland erklärt DAAD für unerwünscht: Geldstrafen und Haft für Kontakte möglich
DAAD in Russland faktisch verboten – Strafen drohen

Russland erklärt DAAD für unerwünscht: Akademischer Austausch faktisch verboten

Die russische Führung unter Präsident Wladimir Putin schottet die Gesellschaft weiter von internationalen Einflüssen ab – nun trifft es auch den akademischen Bereich mit voller Härte. Das russische Justizministerium hat den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) offiziell zur unerwünschten Organisation erklärt und damit de facto in Russland verboten. Diese Entscheidung wurde am Dienstag auf der Website des Ministeriums veröffentlicht und hat unmittelbare Konsequenzen.

Strafrechtliche Verfolgung für russische Bürger

Für russische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger bedeutet die Einstufung, dass jeglicher Kontakt mit der deutschen Förderorganisation strafrechtlich verfolgt werden kann. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldstrafen oder sogar Haftstrafen. Der DAAD, der nach eigenen Angaben die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern ist, reagierte umgehend auf die Maßnahme.

„Wir haben diese Entscheidung des russischen Justizministeriums zur Kenntnis genommen“, teilte der DAAD mit Sitz in Bonn mit. „Wir stehen in engem Austausch mit dem Auswärtigen Amt zu den nächsten Schritten.“ Die Organisation betonte, dass sie weiterhin im Dialog mit den deutschen Behörden bleibe, um eine Lösung zu finden.

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Scharfe Kritik aus der deutschen Politik

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat Russland bereits aufgefordert, das faktische Verbot des DAAD umgehend zurückzunehmen. „Wir verurteilen diese Maßnahme auf das Schärfste. Sie ist völlig unbegründet“, erklärte der Politiker am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Wadephul betonte, dass der akademische Austausch eine Brücke zwischen den Völkern darstelle und nicht instrumentalisiert werden dürfe.

Mit der Einstufung des DAAD als unerwünschte Organisation kommen die bereits stark eingeschränkten akademischen Kontakte mit Russland praktisch zum Erliegen. Viele andere deutsche Wissenschaftsorganisationen stehen bereits seit längerem auf der russischen Verbotsliste, darunter zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und Medien wie die Deutsche Welle.

Konkrete Auswirkungen auf Studierende

Derzeit studieren noch etwa 200 russische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland. Insgesamt sind an deutschen Hochschulen etwa 10.500 Russinnen und Russen eingeschrieben. Der DAAD hatte bereits 2022, unmittelbar nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine, die Kontakte mit Russland erheblich eingeschränkt und keine neuen Stipendiaten mehr dorthin entsandt.

Allerdings sollte der umgekehrte Weg für russische Studierende und Wissenschaftler an deutsche Hochschulen prinzipiell erhalten bleiben. Aus diesem Grund unterhielt der DAAD bis zuletzt noch ein Büro in Moskau, das nun seine Arbeit einstellen muss. Die Organisation reiht sich in eine lange Liste „unerwünschter“ ausländischer Organisationen ein, die das russische Justizministerium regelmäßig aktualisiert.

Hintergrund und politische Dimension

Die Entscheidung Moskaus fällt in eine Zeit zunehmender politischer Spannungen zwischen Russland und dem Westen. Seit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine hat die russische Führung systematisch unabhängige Organisationen, Medien und zivilgesellschaftliche Strukturen eingeschränkt oder verboten. Der DAAD war einer der letzten verbliebenen institutionellen Brücken im Bildungsbereich.

Experten bewerten die Maßnahme als weiteren Schritt in der Isolierungspolitik des Kremls. Die Wissenschaftsfreiheit und der internationale Austausch leiden unter diesen Entwicklungen erheblich. Für die betroffenen Studierenden und Wissenschaftler bedeutet dies nicht nur praktische Hürden, sondern auch die Angst vor rechtlichen Konsequenzen bei weiteren Kontakten mit deutschen Institutionen.

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