Deutsche Mehrheit sieht Kinder als finanzielles Wagnis
Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung in Deutschland ist überzeugt, dass sich Familien heute keine Kinder mehr leisten können. Dies geht aus einer exklusiven Blitzumfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa hervor, die im Auftrag von BILD am SONNTAG durchgeführt wurde. Die Ergebnisse werfen ein beunruhigendes Licht auf die demografische Entwicklung eines Landes, das seit Jahren mit rückläufigen Geburtenzahlen kämpft.
55 Prozent stimmen der Aussage zu
Bei der repräsentativen Befragung von 1.003 Bürgern am 19. und 20. Februar 2026 stimmten 55 Prozent der Aussage zu, dass man sich in Deutschland keine Kinder mehr leisten kann. Lediglich 34 Prozent widersprachen dieser Einschätzung, während elf Prozent unentschieden blieben. Damit hält mehr als jeder zweite Deutsche Nachwuchs für ein finanzielles Risiko, das viele Haushalte scheuen.
Hohe Lebenshaltungskosten als Haupttreiber
Als primäre Ursache für diese Einschätzung nennen 81 Prozent der Befragten die explodierenden Lebenshaltungskosten. Mieten, Lebensmittelpreise, Energiekosten und alltägliche Ausgaben belasten die Budgets vieler Familien so stark, dass für zusätzliche Ausgaben kaum Spielraum bleibt. Auf Platz zwei der Kostentreiber landen Steuern und Abgaben: 59 Prozent kritisieren, dass der Staat zu tief in die Taschen der Bürger greife.
Betreuungsprobleme und Einkommensverluste
Neben den direkten Kosten sehen viele Deutsche weitere Hürden:
- 58 Prozent beklagen fehlende Kita- und Betreuungsplätze, insbesondere in Westdeutschland
- 40 Prozent nennen den Verdienstausfall durch Elternzeit oder Teilzeit als entscheidenden Faktor
- 48 Prozent halten die finanzielle Unterstützung durch Kindergeld und Elterngeld für unzureichend
„Die Mehrheit der Deutschen, darunter über 60 Prozent der 30- bis 49-Jährigen, findet, dass man sich in Deutschland heute keine Kinder leisten kann“, kommentiert Insa-Chef Hermann Binkert die Ergebnisse. „Das ist dramatisch und müsste die Politik fordern. Was nutzen all die Debatten für eine gute Zukunft, wenn die nachfolgende Generation fehlt?“
Regionale Unterschiede bei der Betreuung
Während in Westdeutschland nach wie vor Krippen- und Kitaplätze für etwa 15 Prozent der unter dreijährigen Kinder fehlen, werden im Osten aufgrund sinkender Geburtenzahlen erste Einrichtungen geschlossen. Diese Diskrepanz verdeutlicht die komplexen regionalen Herausforderungen der Familienpolitik.
Die Umfrageergebnisse bestätigen damit Befürchtungen, die bereits in einer aktuellen Kolumne thematisiert wurden: Selbst gut verdienende Paare entscheiden sich häufig aus finanziellen Gründen gegen Kinder – ein Trend, der langfristige Konsequenzen für die Gesellschaft haben könnte.



