„Mutti, komm' spielen!“ – Warum habe ich so oft Nein gesagt? Eine Dreifach-Mutter bereut
Kürzlich besuchte ich eine Kita und machte Fotos: Um mich herum herrschte lautes Gewusel. Quengelige Knirpse konnten es kaum erwarten, ins Freie zu stürmen. Ringsum lagen Bauklötze, die wieder eingeräumt werden mussten, und direkt vor mir stand ein Kaufmannsladen mit Miniatur-Sortiment.
Ach, was haben meine eigenen Kinder diese Auslagen einst geliebt. Auch bei uns daheim stand jahrelang so ein kleiner Konsumtempel, mit dem sich meine Tochter und die beiden Söhne stundenlang beschäftigen konnten. „Mutti, komm' einkaufen“ – ihr Rufen habe ich immer noch im Ohr. Ebenso wie meine zahlreichen Erwiderungen, die mir heute schwer im Magen liegen.
Die vielen Absagen, die heute wehtun
„Gleich, ich muss erst noch die Wäsche machen“, „Jetzt nicht, das Abendessen brennt sonst an“, „Beschäftigt euch doch mal selbst, ich bin gestresst von Arbeit“, „Lasst mir doch bitte eine Minute Zeit, ich will noch ein wenig lesen“ – diese Sätze hallen in meiner Erinnerung nach. Jetzt, wo ich das so niederschreibe, wird mir gleich wieder schwer ums Herz. Was gäbe ich dafür, die Zeit zurückzudrehen.
Ich würde den Haushalt ungemacht lassen, statt Braten schnödes Fast Food kredenzen und mich zum Spielen aufrappeln, egal, wie genervt vom Job ich gerade bin. Doch das geht natürlich nicht. Meine Kinder sind nebenher groß geworden, längst erwachsen und nicht mehr darauf erpicht, dass ich mit ihnen spiele.
Die Rollen haben sich vertauscht
Sind sie zu Besuch, bin ich diejenige, die die „Mensch-ärgere-dich“-Figuren oder Uno-Karten zückt und um Mitspieler buhlt. Wann haben sich die Rollen eigentlich vertauscht? Als sie klein waren, hätte ich alles in der Welt für ein paar Stunden allein gegeben, einfach, weil ich so ausgepowert war.
Warum konnte ich da nicht die Reißleine ziehen, Arbeitszeit reduzieren, vielleicht sogar den Pendlerweg canceln, indem ich mir eine neue Stelle suche? Keine Ahnung. Fakt ist, ich habe es nicht getan – meine Sprösslinge standen viel zu oft allein am Kaufmannsladen und warteten vergeblich, dass ich Brot, Milch und Waschmittel hole.
Zwischen Kita-Chaos und Arbeitsstress blicke ich zurück und wünsche mir, dass ich mir mehr Zeit genommen hätte. Diese bittersüßen Erinnerungen wecken Bilder wie jene aus der Kita, die mir zeigen, was ich verpasst habe. Ein bewegender Alltagstext, der zum Nachdenken anregt über die Balance zwischen Pflichten und kostbaren Momenten mit den Liebsten.



