Baerbock im EU-Parlament: Warnung vor systematischen Fake-Pornos und Hass gegen Frauen
Baerbock warnt vor systematischen Fake-Pornos gegen Frauen

Baerbock im EU-Parlament: Systematische Online-Gewalt gegen Frauen angeprangert

Die ehemalige deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hat in einer eindringlichen Rede vor dem EU-Parlament vor den zunehmenden Hasskampagnen und digitalen Gewaltformen gegen Frauen gewarnt. Die heute 45-jährige Grünen-Politikerin, die mittlerweile als Präsidentin der UN-Generalversammlung amtiert, sprach dabei aus persönlicher Erfahrung.

Erschreckende Zahlen zu nicht-einvernehmlichen Deepfakes

Baerbock präsentierte alarmierende Statistiken: 95 Prozent aller Online-Deepfakes stellten nicht einvernehmliche pornografische Inhalte dar, und 99 Prozent dieser Fälschungen richteten sich gezielt gegen Frauen. „Das ist kein Zufall, sondern tief systematisch“, betonte die Politikerin in ihrer Ansprache in Straßburg.

Persönliche Erfahrungen mit Diffamierungskampagnen

Die ehemalige Außenministerin weiß aus eigener leidvoller Erfahrung, wovon sie spricht. Während ihrer Amtszeit und bereits im Wahlkampf 2021 wurde sie Ziel zahlreicher Falschmeldungen und gezielter Diffamierungsversuche:

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  • Im August 2024 wurde Baerbock eine angebliche Escort-Affäre mit einem nigerianischen Callboy angedichtet. Das Auswärtige Amt wies diese Erzählung als „falsch, frei erfunden und völlig abstrus“ zurück und vermutete hinter der Kampagne „russische Akteure“ als Urheber oder Auftraggeber.
  • Bereits im Sommer 2021 kursierte in Sozialen Medien und Messengerdiensten ein angebliches Nacktbild der Politikerin mit dem beleidigenden Zusatz: „Ich war jung und brauchte das Geld“. Tatsächlich handelte es sich dabei um das Foto eines Erotikmodels, das Baerbock lediglich ähnelte. Die Politikerin thematisierte diese Fälschung später selbst öffentlich: „Es täuschte vor, ich hätte mein Geld als Prostituierte verdient.“

Appell zur Verteidigung der Wahrheit

In ihrer EU-Parlamentsrede mahnte Baerbock eindringlich zur Entschlossenheit im Kampf gegen digitale Gewalt: „Die Wahrheit zu verteidigen ist kein Zuschauersport. Wir sind keine unbeteiligten Zuschauer, die den Luxus haben, tatenlos zuzusehen, während Ungerechtigkeiten geschehen.“ Sie fügte hinzu: „Schweigen ist eine Entscheidung. Untätigkeit ist eine Entscheidung.“

Gleichzeitig räumte die Politikerin ein, dass dieser Kampf praktische Herausforderungen mit sich bringe: „Das ist allerdings leichter gesagt als getan – insbesondere, wenn man mit Erpressung oder Nötigung, Drohungen und Einschüchterung konfrontiert ist.“

Indirekte Kritik an internationaler Politik

In ihrer Rede übte Baerbock auch indirekt Kritik an der internationalen Politik, insbesondere an US-Präsident Donald Trump, ohne ihn namentlich zu erwähnen. Sie rügte dessen Annexions-Phantasien bezüglich Grönland und wiederholte Zoll-Drohungen: „Die Wahrheit zu verteidigen bedeutet, dass wir nicht über die Fakten verhandeln können; wir können nicht einfach ‚mitmachen, um mitzukommen‘ in der Hoffnung, dass dadurch Zölle vermieden werden.“

Die ehemalige Außenministerin betonte damit die Notwendigkeit, auch in internationalen Beziehungen klare Haltungen gegen Desinformation und digitale Gewalt zu beziehen, selbst wenn dies politisch unbequem sein mag.

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