Internationaler Frauentag in Sachsen: Forderungen nach echter Gleichstellung statt symbolischer Gesten
Zum Internationalen Frauentag an diesem Sonntag haben Politikerinnen verschiedener Parteien in Sachsen deutliche Forderungen nach umfassender Gleichberechtigung in allen gesellschaftlichen Bereichen erhoben. Die Kritik richtet sich dabei besonders gegen symbolische Aktionen und Sonntagsreden, während konkrete strukturelle Veränderungen gefordert werden.
Kritik an symbolischer Blümchenpolitik und Forderungen nach verbindlichen Maßnahmen
Die Piratenpartei in Dresden kündigte für Sonntag auf dem Neumarkt eine besondere Aktion unter dem Motto „Papier kannste knicken, Gleichberechtigung nicht“ an. „Dass oftmals männliche Politiker am 8. März in Fußgängerzonen Blümchen verteilen, sehen wir mit gemischten Gefühlen“, erklärten die Piraten. Mit selbstgebastelten Papierblumen, die bei näherer Betrachtung unangenehme Fakten zur fehlenden Gleichstellung enthüllen, wollen sie sich über die „Blümchenpolitik“ anderer Parteien lustig machen.
Katja Meier von den Grünen betonte: „Gleichstellung erreichen wir nicht mit Sonntagsreden, sondern nur mit verbindlichen Zielen, klaren Zuständigkeiten und messbaren Fortschritten in allen Ministerien.“ Die ehemalige Gleichstellungsministerin verwies auf einen parlamentarischen Antrag ihrer Partei, der die sächsische Regierung zu ressortübergreifendem Handeln gegen Frauenbenachteiligung auffordert.
Strukturelle Benachteiligungen und der Gender Pay Gap
Juliane Nagel von der Linken wies auf die anhaltenden Ungerechtigkeiten hin: „Wir leben in Zeiten, in denen feministische Errungenschaften massiv unter Druck sind - von der extremen Rechten und auch von konservativer Seite.“ Sie verwies auf den Gender Pay Gap in Sachsen, wo Frauen bei gleicher Qualifikation, gleichem Beruf und gleicher Arbeitszeit durchschnittlich 8,5 Prozent weniger verdienen als Männer.
Nagel kritisierte zudem Angriffe auf das Recht auf Teilzeit: „Viele Menschen müssen Teilzeit arbeiten, um Kinder von der Kita abzuholen, Essen vorzubereiten, Hausaufgaben zu betreuen und für Angehörige zu sorgen.“ Frauen leisteten in Sachsen im Schnitt 30 Stunden unbezahlte Care-Arbeit pro Woche, Männer nur 20 Stunden. Eine gerechtere Aufteilung dieser Arbeit könnte auch zu gerechterer Erwerbsarbeit führen.
Demonstrationen als Zeichen der Hoffnung
Linke-Chefin Anja Eichhorn sieht in den für Sonntag angekündigten Frauentagsdemonstrationen ein wichtiges Signal: „Das macht Mut und gibt Kraft. Widerstand ist wichtiger denn je.“ Weltweit stünden Frauenrechte unter Beschuss, so auch in Deutschland. Das politische Streben nach Gleichstellung sei keine Selbstverständlichkeit mehr.
Katja Meier warnte vor Rückschritten: „Sachsen kann es sich politisch und wirtschaftlich nicht leisten, Gleichstellung von der Prioritätenliste zu streichen. Wer von der Abschaffung von kommunalen Gleichstellungsbeauftragten fabuliert, schwächt Strukturen, die vor Ort unverzichtbar sind.“ Das sächsische Gleichstellungsgesetz sei ein Meilenstein gewesen, nun müsse eine verbindliche Gesamtstrategie folgen.
Geplante Aktionen in ganz Sachsen
Neben der Piraten-Aktion in Dresden sind in zahlreichen sächsischen Städten weitere Kundgebungen und Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag geplant. Die Politikerinnen betonen, dass es nicht um schmückendes Beiwerk gehe, sondern um grundlegende Veränderungen. „Die ganze Bäckerei. Und die Konditorei dazu“, forderte Juliane Nagel symbolisch für umfassende Gleichstellung.
Die geplanten Demonstrationen und Aktionen zeigen, dass der Kampf für Gleichberechtigung in Sachsen weiterhin notwendig ist und von vielen Frauen und Unterstützern getragen wird. Die Forderungen richten sich dabei nicht nur gegen offensichtliche Ungerechtigkeiten wie den Lohnunterschied, sondern auch gegen strukturelle Benachteiligungen in allen Lebensbereichen.



