Umfrage in 29 Ländern: Gen-Z-Männer verankern gefährliche Rollenklischees
Gen-Z-Männer verankern gefährliche Rollenklischees

Alarmierende Studie: Junge Männer verankern gefährliche Rollenklischees

Lange mussten Frauen hart dafür kämpfen, wählen zu dürfen und eigene Lebensentscheidungen treffen zu können. Doch dieser hart erkämpfte Erfolg scheint nun bedroht: Eine umfassende internationale Untersuchung enthüllt, dass vor allem jüngere Männer vermehrt rückständige Rollenmodelle befürworten und damit gefährliche Geschlechterklischees verankern.

Digitale Ökosysteme verstärken Polarisierung

Hausfrau-Influencerinnen, die lächelnd in Kochtöpfen rühren, und Frauenfeinde wie Andrew Tate als TikTok-Stars: Traditionelle Rollenbilder sind in sozialen Medien extrem präsent - und damit auch in den Köpfen junger Menschen. Robert Grimm, Leiter der Politikforschung bei Ipsos in Deutschland, erklärt: „Digitale Ökosysteme verstärken die Polarisierung, weil Social-Media-Algorithmen zugespitzte Botschaften belohnen.“ Dies reiche von Männlichkeits-Influencern bis zu feministischen Gegennarrativen.

Junge Männer bejahen öfter traditionelle Hierarchien in Beziehungen und haben eher ein Problem damit, wenn Frauen mehr verdienen oder sehr unabhängig auftreten. Die Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos zeigt: Männer der Generation Z vertreten im Vergleich aller Altersgruppen in allen 29 einbezogenen Ländern die rückständigsten Auffassungen zur Rollenverteilung. Zur Generation Z wurden zwischen 1997 und 2012 geborene Menschen gezählt.

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Besorgniserregende Zahlen zur Gleichstellung

„Es ist beunruhigend zu sehen, dass die Einstellung zur Gleichstellung der Geschlechter nicht positiver ist, insbesondere unter jungen Männern“, sagt Julia Gillard von der beteiligten King’s Business School in London. Viele Gen-Z-Männer stellen nicht nur einschränkende Erwartungen an Frauen, sondern sind selbst in restriktiven Geschlechternormen gefangen.

Die konkreten Zahlen der Online-Umfrage sind erschreckend:

  • 61 Prozent der Gen-Z-Männer finden, dass in Sachen Gleichstellung im eigenen Land schon genug getan wurde
  • 57 Prozent der Gen-Z-Männer sind der Ansicht, dass die Gleichstellung von Frauen sogar so weit gefördert wurde, dass nun Männer diskriminiert werden
  • Fast jeder dritte Gen-Z-Mann (31 Prozent) ist der Meinung, dass eine Ehefrau ihrem Mann immer gehorchen sollte

Zum Vergleich: Bei den männlichen Babyboomern - geboren zwischen 1946 und 1964 - sind nicht einmal halb so viele Männer dieser Ansicht (13 Prozent). Bei den Boomer-Frauen liegt der Wert mit 6 Prozent noch deutlich niedriger.

Internationale Vergleiche und deutsche Besonderheiten

Fast ein Drittel der in Ländern wie Thailand, Mexiko, Südafrika, Italien, Australien, den USA und Japan befragten Gen-Z-Männer (29 Prozent) denkt, dass es für Probleme sorgt, wenn eine Ehefrau mehr verdient als ihr Mann. Bei den Boomer-Männern sind es gerade mal 18 Prozent. Für die Umfrage anlässlich des Weltfrauentags wurden in 29 Ländern mehr als 23.000 Menschen ab 16 Jahren befragt.

Die Ipsos-Daten zeigen jedoch auch: Deutschland steht im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht da. Nur jeder Zehnte in Deutschland glaubt demnach, dass Frauen davon profitieren, wenn sich Männer an traditionelle männliche Rollenbilder halten. Das ist der niedrigste Wert unter allen 29 untersuchten Ländern.

Breite Zustimmung findet hierzulande die Vorstellung einer fairen Arbeitsteilung:

  • 73 Prozent sehen beide Geschlechter in der Pflicht bei der Kindererziehung
  • 75 Prozent bei Geldverdienen
  • 77 Prozent bei Haushaltsarbeiten

„Diese Überzeugung für das eigene Leben weicht jedoch deutlich von der Einschätzung der gesellschaftlichen Realität ab“, gibt Ipsos zu bedenken.

Kluft zwischen persönlicher Überzeugung und gesellschaftlicher Wahrnehmung

Nur 15 Prozent der Bundesbürger sind der persönlichen Überzeugung, dass Frauen vorwiegend für die Kindererziehung verantwortlich sein sollten. Zugleich meinen 44 Prozent, dass diese in Deutschland in der gesellschaftlichen Erwartung überwiegend Frauensache ist. Ähnlich groß ist die Lücke bei der Hausarbeit.

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Heejung Chung von der King’s Business School analysiert: „Es ist sehr besorgniserregend, dass traditionelle Geschlechternormen auch heute noch bestehen, und noch beunruhigender ist, dass viele Menschen offenbar unter dem Druck sozialer Erwartungen stehen, die nicht wirklich das widerspiegeln, was die meisten von uns glauben.“

Die persönlichen Ansichten der Menschen seien weitaus progressiver als das, was sie als gesellschaftlich erwartet annehmen. „Diese Kluft ist besonders ausgeprägt bei Männern der Generation Z, die nicht nur einen starken Druck verspüren, sich an starre männliche Ideale anzupassen, sondern in einigen Fällen auch erwarten, dass Frauen zu traditionelleren Verhaltensweisen zurückkehren“, so Chung weiter.

Frauen in Führungspositionen als Symbol der Gleichstellung

In Deutschland sind inzwischen 37 Prozent der männlichen Befragten der Meinung, dass die Förderung von Frauen so weit getrieben wurde, dass nun Männer diskriminiert werden. Bei den Frauen glauben das immerhin 22 Prozent. Zugleich denken 36 Prozent der Frauen - und 55 Prozent der männlichen Befragten -, dass für die Gleichstellung in Deutschland schon genug getan wurde.

Doch 60 Prozent der Frauen sind der Ansicht, dass es ohne mehr Frauen in verantwortungsvollen Regierungs- und Unternehmenspositionen keine echte Gleichstellung geben kann - das glauben auch immerhin 43 Prozent der Männer. Kelly Beaver, Ipsos-Geschäftsführerin in Großbritannien und Irland, resümiert: „Die diesjährige Umfrage zeigt uns, dass wir möglicherweise eine große Neuverhandlung der Geschlechterrollen in der heutigen Gesellschaft erleben.“

Gen-Z-Männer stehen unter erhöhtem Maskulinitäts- und Rollendruck - Boomer-Männer wirken im Schnitt gelassener und nehmen Gleichstellung seltener als Bedrohung wahr, erklärt Grimm. Bei den Jüngeren sei das Gefühl von Zukunfts- und Statusunsicherheit stärker ausgeprägt, was die Logik „Wenn Frauen profitieren, verliere ich“ begünstigen könnte.