Gender Pay Gap stagniert: Frauen verdienen weiterhin deutlich weniger als Männer
Die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland hat sich im vergangenen Jahr nicht weiter geschlossen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes verdienten Frauen im Durchschnitt pro Arbeitsstunde unverändert 16 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Diese Entwicklung markiert einen Bruch mit dem Trend früherer Jahre, in denen sich die Differenz schrittweise verringert hatte.
Regionale Unterschiede und historische Entwicklung
Die Analyse zeigt deutliche regionale Disparitäten: In den östlichen Bundesländern beträgt der unbereinigte Gender Pay Gap lediglich 5 Prozent, während im Westen eine erhebliche Lücke von 17 Prozent klafft. Historisch betrachtet hat sich die Situation zwar verbessert – im Jahr 2006 lag der Verdienstunterschied noch bei 23 Prozent – doch der Fortschritt ist ins Stocken geraten. Im Vorjahr hatte sich die Lücke immerhin um 2 Prozentpunkte verringert.
Bereinigte Lohnlücke bleibt bei 6 Prozent
Männer verdienten im Jahr 2025 durchschnittlich 27,05 Euro pro Stunde und damit 4,24 Euro mehr als Frauen. Das Statistikamt erklärt knapp zwei Drittel dieser Differenz mit strukturellen Faktoren: höhere Teilzeitquoten bei Frauen und geringere Gehälter in frauentypischen Berufen. Dennoch bleibt eine bereinigte Lohnlücke von 1,71 Euro oder etwa 6 Prozent des Brutto-Stundenlohns ohne eindeutige Erklärung. Dieser Wert, der sich 2025 nicht verändert hat, bedeutet, dass Frauen selbst bei vergleichbarer Tätigkeit, Qualifikation und Erwerbsbiografie 6 Prozent weniger verdienen als Männer.
Mögliche Ursachen und Diskriminierungsgrenze
Die Behörde vermutet, dass Erwerbsunterbrechungen – beispielsweise durch Schwangerschaften, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen – eine Rolle spielen könnten, obwohl diese Faktoren nicht detailliert erfasst sind. Man geht davon aus, dass sich damit weitere Anteile des Lohnunterschieds erklären lassen. Die verbleibenden 6 Prozent stellen somit eine Obergrenze für eine mögliche direkte Verdienstdiskriminierung durch Arbeitgeber dar.
Erweiterte Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt
Anlässlich des Equal Pay Day am 27. Februar veröffentlichte das Statistikamt weitere Zahlen, die eine umfassendere Ungleichheit zwischen den Geschlechtern aufzeigen. Frauen brachten wie in den Vorjahren rund 18 Prozent weniger Zeit für Erwerbsarbeit auf als Männer. Ihre durchschnittliche Wochenarbeitszeit betrug 28 Stunden im Vergleich zu 34 Stunden bei Männern. Zudem waren mit 74 Prozent aller Frauen anteilig weniger am Erwerbsleben beteiligt, während 81 Prozent der Männer einer Erwerbstätigkeit nachgingen.
Gesamtbild der geschlechtsspezifischen Disparitäten
Werden alle drei Faktoren – Stundenlohn, Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung – zusammengefasst, ergibt sich eine erweiterte Verdienstungleichheit zwischen den Geschlechtern. Diese fällt in den östlichen Bundesländern mit 22 Prozent deutlich geringer aus als im Westen mit 39 Prozent. Ein wesentlicher Grund hierfür ist, dass im Osten anteilig mehr Frauen in Vollzeit arbeiten. Der gesamtdeutsche Wert liegt bei 37 Prozent und unterstreicht die anhaltenden Herausforderungen bei der Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt.



