Berlin eröffnet neuntes Frauenhaus für Schutz vor häuslicher Gewalt
Die Dunkelziffer bei häuslicher Gewalt bleibt alarmierend hoch. Nach aktuellen Statistiken wird in Deutschland etwa alle zwei Minuten ein Mensch zum Opfer – überwiegend sind es Frauen. In Berlin gibt es nun eine weitere wichtige Anlaufstelle, um dieser Gewalt zu entkommen.
Neue Zuflucht im Süden der Hauptstadt
Für rund 2,5 Millionen Euro ist im Süden Berlins das neunte Frauen- und Kinderschutzhaus entstanden. Die Einrichtung bietet 26 Familienplätze in zehn Wohnungen. Seit Mitte Januar haben bereits 18 Frauen und 13 Kinder dort Schutz gefunden, wie die Senatssozialverwaltung mitteilte.
Das Haus legt besonderen Fokus auf Frauen mit ihren Kindern. „Denn Kinder machen in der Regel mehr als die Hälfte der Bewohnenden in den Häusern aus“, erklärte Sozial- und Gleichstellungssenatorin Cansel Kiziltepe bei der offiziellen Eröffnung. Zum Schutz der Betroffenen bleibt die Adresse vertraulich.
Umfassende Unterstützung für Betroffene
In der neuen Einrichtung erhalten die Bewohnerinnen psychosoziale Beratung durch Sozialarbeiterinnen. Zusätzlich steht eine Psychologin zur Verfügung. Für die Kinder bieten zwei Erzieherinnen pädagogische Unterstützung an.
Träger der Einrichtung ist ein Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband Berlin. Mit dieser Eröffnung gibt es in Berlin nun insgesamt 393 Familienplätze mit 859 Betten für von Gewalt betroffene Frauen und ihre Kinder.
Fortschritt bei der Istanbul-Konvention
„Mit dem neunten Frauenhaus rückt Berlin der vollständigen Umsetzung der Istanbul-Konvention einen Schritt näher“, betonte Senatorin Kiziltepe. Die Konvention von 2011 zielt auf die Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt ab.
Nach den Vorgaben muss Berlin insgesamt 390 kostenfreie Familienplätze vorhalten. Derzeit gibt es in der Hauptstadt 239 solcher Plätze, weitere sollen noch in diesem Jahr entstehen. Zusätzlich existieren 154 Familienplätze in sogenannten Zufluchtswohnungen, wo Betroffene jedoch die Miete selbst finanzieren müssen.
Finanzielle Mittel für den Gewaltschutz
Für den Bereich Gewaltschutz stehen in diesem Jahr rund 37,5 Millionen Euro zur Verfügung, im nächsten Jahr sind es 43,1 Millionen Euro. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat zusätzlich etwa 19,3 Millionen Euro für die Jahre 2026 und 2027 bereitgestellt, um neue Plätze zu schaffen und zu betreiben.
Das neue Gewalthilfegesetz sichert betroffenen Frauen und Kindern ein eigenständiges Recht auf Schutz und Beratung zu. „Mit dem neuen Haus schaffe Berlin einen weiteren Ort, an dem Frauen und Kinder sicher leben können“, so die SPD-Politikerin Kiziltepe.
Alarmierende Zahlen zu häuslicher Gewalt
Nach Angaben des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2024 bundesweit mehr als 187.000 weibliche Opfer häuslicher Gewalt registriert. Experten gehen von einer erheblichen Dunkelziffer aus, da nicht alle Fälle gemeldet werden.
Insgesamt waren 265.942 Menschen von häuslicher Gewalt betroffen – so viele wie noch nie. Dies entspricht einem Anstieg von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2023 waren 70,5 Prozent der Opfer weiblich.
Die Istanbul-Konvention trat im August 2014 in Kraft und gilt in Deutschland seit Februar 2018. Die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich darin, politische und rechtliche Maßnahmen gegen geschlechtsspezifische Gewalt zu ergreifen.



