One Billion Rising: Tanzproteste gegen Gewalt an Frauen am Valentinstag
Statt Herzchen und Blumen standen am Valentinstag in mehreren Brandenburger Städten Tanzaktionen gegen Gewalt an Frauen im Mittelpunkt. Die weltweite Bewegung One Billion Rising („Eine Milliarde erhebt sich“) nutzte den traditionellen Tag der Liebe für deutliche Proteste.
Potsdamer Oberbürgermeisterin zeigt Solidarität
In der Potsdamer Fußgängerzone versammelten sich zahlreiche Menschen zu einer Tanzdemo am Brandenburger Tor. Auch Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) nahm an der Aktion um 14.00 Uhr teil und setzte damit ein sichtbares Zeichen gegen geschlechtsspezifische Gewalt.
Brandenburgweite Beteiligung an der Bewegung
Neben Potsdam beteiligten sich weitere Städte in Brandenburg an den Protesten:
- Cottbus mit eigenen Tanzaktionen
- Rathenow, Angermünde und Königs Wusterhausen mit geplanten Veranstaltungen
- Oranienburg mit einer Tanzaktion am Montag auf dem Schlossplatz
Hintergrund der weltweiten Bewegung
Die Bewegung One Billion Rising wurde bereits 2012 von der Künstlerin Eve Ensler initiiert. Seitdem demonstrieren Menschen weltweit jedes Jahr am Valentinstag an öffentlichen Plätzen tanzend für ein Ende der Gewalt gegen Mädchen und Frauen. Die Aktionen finden synchron in zahlreichen Ländern statt und schaffen so eine globale Solidaritätswelle.
Alarmierende Zahlen zu häuslicher Gewalt in Brandenburg
Die Proteste kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Zahlen häuslicher Gewalt in Brandenburg besorgniserregende Ausmaße annehmen. Nach aktuellen Polizeiangaben erreichten die erfassten Fälle im Jahr 2024 mit 6.790 den höchsten Stand seit fünf Jahren. Experten gehen zudem von einer erheblichen Dunkelziffer aus, die die tatsächliche Dimension des Problems noch deutlicher macht.
Kritik am traditionellen Valentinstag
Die Organisatoren in Potsdam, darunter das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser, betonen die bewusste Wahl des Valentinstags für ihre Aktion. Sie kritisieren, dass der Tag mit Herzchen, Blumen und Konsumaufforderungen romantische Paarbeziehungen zelebriere, ihren gesellschaftlichen Wert überhöhe und damit Geschlechterhierarchien zementiere. Tatsächlich findet der Großteil aller geschlechtsspezifischen Gewalterfahrungen in Paarbeziehungen oder Familien statt – ein Umstand, der durch die traditionelle Valentinstags-Romantik oft verschleiert wird.
Die Tanzaktionen von One Billion Rising setzen dem eine kraftvolle Alternative entgegen: Statt unkritischer Romantik fordern sie Aufmerksamkeit für ein gesellschaftliches Problem, das trotz gestiegener Fallzahlen noch immer zu oft im Verborgenen bleibt. Die Bewegung macht deutlich, dass echte Liebe ohne Gewalt und Respektlosigkeit auskommen muss.



