Studie zum Weltfrauentag: Vorurteile bremsen Frauen in deutschen IT-Abteilungen aus
Trotz des akuten Fachkräftemangels in der deutschen Wirtschaft halten viele Unternehmen weiterhin an veralteten Stereotypen fest, die Frauen den Weg in die IT-Branche erschweren. Eine neue Studie des Digitalverbands Bitkom, die anlässlich des Weltfrauentags veröffentlicht wurde, zeigt alarmierende Zahlen: Fast jedes zweite Unternehmen in Deutschland hält Männer für schlichtweg besser geeignet für Tech-Berufe.
Frauen in Digitalberufen weiterhin stark unterrepräsentiert
Die repräsentative Befragung unter 603 Unternehmen offenbart ein deutliches Ungleichgewicht: In keiner einzigen deutschen IT- oder Digitalabteilung arbeiten derzeit mehr Frauen als Männer. Konkret bedeutet dies, dass in 89 Prozent der Unternehmen Frauen in diesen Fachbereichen weniger als die Hälfte der Belegschaft stellen. Lediglich 9 Prozent der befragten Firmen berichten von einem annähernd ausgeglichenen Geschlechterverhältnis.
Diese Zahlen spiegeln sich auch in der Selbsteinschätzung der Wirtschaft wider: Zwei Drittel (67 Prozent) sehen Deutschland beim Thema Gleichstellung in IT-Berufen im internationalen Vergleich als Nachzügler. Ganze 17 Prozent glauben sogar, dass die deutsche Wirtschaft den Anschluss bereits komplett verpasst hat.
Problembewusstsein vorhanden, aber Vorurteile prägen den Alltag
Interessanterweise zeigt die Studie auch, dass in den Chefetagen durchaus ein Bewusstsein für die Problematik existiert. 78 Prozent der Firmenvertreter stimmen zu, dass die Wirtschaft ohne Frauen ihre Zukunft verspielt. 65 Prozent sehen in weiblichen Talenten den Schlüssel, um den massiven IT-Fachkräftemangel zu lindern.
Die Vorteile gemischter Teams sind dabei unumstritten: Neun von zehn Unternehmen loben das bessere Betriebsklima in diversen Teams, acht von zehn bescheinigen gemischten Teams eine höhere Produktivität und gesteigerte Kreativität.
Trotz dieser Erkenntnisse prägen Vorurteile weiterhin den Einstellungsalltag: 43 Prozent der Unternehmen geben offen an, Männer seien für IT- und Digitalberufe einfach besser geeignet. Fast die Hälfte (48 Prozent) glaubt, dass solche Berufe Frauen abschrecken.
„Stereotype Rollenbilder sind noch in zu vielen Unternehmen verankert“, kritisierte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst die aktuelle Situation.Größte Hürden für Frauenkarrieren in der IT
Als größte Bremsklötze für Frauenkarrieren in der IT identifizieren die Unternehmen mehrere Faktoren:
- Hürden beim Wiedereinstieg nach der Elternzeit (50 Prozent)
- Mangelnde Sensibilisierung der Führungskräfte (48 Prozent)
- Eine „gläserne Decke“, die Frauen trotz gleicher Qualifikation benachteiligt (39 Prozent)
Ein weiteres Problem liegt im Betriebsklima selbst: In mehr als jedem dritten Unternehmen (35 Prozent) wird Frauenförderung von Teilen der männlichen Belegschaft als ungerecht empfunden. Generell halten 28 Prozent der Unternehmen Frauenförderung für nicht mehr notwendig.
Die Studie macht deutlich, dass trotz des dringenden Bedarfs an Fachkräften und des vorhandenen Problembewusstseins in den Führungsetagen tief verwurzelte Vorurteile und strukturelle Hürden weiterhin Frauen den Zugang zu IT-Berufen erschweren. Die deutsche Wirtschaft steht damit vor der Herausforderung, nicht nur über Gleichstellung zu sprechen, sondern konkrete Maßnahmen umzusetzen, um das Potenzial weiblicher Talente voll auszuschöpfen.



