Grünen-Politikerin Zoe Mayer löst Debatte über Sexismus mit Hagel-Video aus
Zoe Mayer löst Sexismus-Debatte mit Hagel-Video aus

Grünen-Abgeordnete Zoe Mayer löst mit Hagel-Video Diskussion über Sexismus aus

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer hat mit der Veröffentlichung eines alten Interviewausschnitts von CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel eine bundesweite Debatte über Sexismus in der Politik angestoßen. Das Video, das am 24. Februar auf Instagram geteilt wurde, zeigt Hagel bei einer Aussage aus dem Jahr 2018, in der er eine Schülerin mit den Worten "Sie hieß Eva. Braune Haare, rehbraune Augen" beschreibt.

Video erreicht Millionen Zuschauer

Der Clip wurde seit seiner Veröffentlichung mehrere Millionen Mal angeklickt und hat deutlich mehr Reichweite erzielt, als Mayer ursprünglich erwartet hatte. "Mir ging es darum, eine Debatte anzustoßen. Und tatsächlich hat das funktioniert", erklärt die 30-jährige Politikerin im Gespräch. Das Interview stammt ursprünglich vom Lokalsender Regio TV Schwaben und bringt den baden-württembergischen CDU-Spitzenkandidaten nun, mitten im Landtagswahlkampf, in Bedrängnis.

Persönliche Erfahrungen mit Sexismus

Mayer begründet ihre Entscheidung, das Video zu teilen, mit eigenen negativen Erfahrungen als junge Frau in der Politik. "Ich habe vor allem auch Ekel empfunden, weil ich diese Erfahrungen als Mädchen in der Politik häufig gemacht habe", sagt sie. Die Abgeordnete berichtet von Situationen, in denen Frauen nicht ernst genommen werden, Kommentare zum Aussehen erhalten und ihre Fragen in den Hintergrund gedrängt werden.

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Vor der Veröffentlichung habe sie mit sich gerungen: "Mache ich das nach der Wahl, mache ich es gar nicht und tu so, als hätte ich es nicht gesehen?" Letztlich entschied sie sich für die Veröffentlichung, weil sie das Thema "extrem sauer" mache, besonders angesichts der zahlreichen Nachrichten, die sie dazu erhalte.

Reaktionen aus der Politik

CDU-Spitzenkandidat Hagel hat sich inzwischen von seinen Aussagen distanziert und sie als "Mist" bezeichnet. Interessant ist die Reaktion von Mayers Parteikollegen Cem Özdemir, Spitzenkandidat der Grünen in Baden-Württemberg, der den möglichen Koalitionspartner Hagel in Schutz nimmt: Dieser würde das heute sicherlich nicht mehr so formulieren.

Mayer vermutet hinter dieser Aussage einen Versuch, "eine Brücke zu bauen". Die Veröffentlichung erfolgte jedoch ohne Absprache mit Özdemir. "Er wusste nichts davon. Das habe ich ganz eigenständig gemacht", betont Mayer und unterstreicht ihre Entscheidungsautonomie.

Über den Einzelfall hinaus

Der Grünen-Politikerin geht es bei der Veröffentlichung um mehr als nur diesen einen Interviewausschnitt. Sie berichtet von regelmäßigen sexistischen Kommentaren gegenüber jüngeren Frauen im Bundestag, die viele Kolleginnen einschüchtern würden. "Ich bin jetzt 30 Jahre alt, und ich kann sagen, im politischen Alltag begegnet mir das leider sehr viel häufiger, als ich das gern hätte", so Mayer.

Ihr Anliegen ist es, die Diskussion über strukturelle Probleme zu führen: "Deswegen wäre mir auch wichtig, jetzt nicht irgendwie das Geschehen eins zu eins zu bewerten. Wer hat wann, wie, was, wo gesagt oder welche Relevanz hat das jetzt für den Wahlkampf? Sondern mir wäre es wirklich wichtig, dass wir mal darüber sprechen, wie wir junge Frauen und Mädchen in der Politik unterstützen können, dass sie eben nicht schlechte Erfahrungen machen und sich nicht frühzeitig zurückziehen."

Die Debatte, die Mayer mit ihrem Video angestoßen hat, zeigt, dass Sexismus in der deutschen Politik nach wie vor ein relevantes Thema ist, das über Parteigrenzen hinweg diskutiert werden muss. Die Reichweite des Videos unterstreicht das öffentliche Interesse an dieser Thematik und könnte langfristig zu einem sensibleren Umgang mit Sprache und Verhalten in politischen Kreisen führen.

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