Bankeinbruch in Stuhr: 14 Schließfächer gewaltsam geöffnet
Nach dem spektakulären Millionencoup in Gelsenkirchen ist es erneut zu einem schwerwiegenden Bankeinbruch gekommen. In der niedersächsischen Gemeinde Stuhr bei Bremen haben unbekannte Täter 14 Schließfächer einer Volksbankfiliale aufgebrochen und geplündert. Die Polizei steht vor zahlreichen Fragen und sucht intensiv nach den Verantwortlichen.
Kunden in Sorge um persönliche Wertgegenstände
Am Samstag nach dem Einbruch herrschte vor der verlassenen Bankfiliale eine angespannte Atmosphäre. Klaus Hriesik, einer der betroffenen Schließfachbesitzer, äußerte seine Verzweiflung: „Arg ist es schon, weil die Ersparnisse da drin sind, für den späten Lebensabend.“ Seine Frau Irene ergänzte emotional: „Es sind da auch Schmuckstücke drin von meiner Mutter oder von meiner Schwiegermutter. Das ist natürlich mehr als ärgerlich.“
Viele Kunden suchten verzweifelt nach Informationen über den Zustand ihrer Schließfächer. Die Bank richtete eine spezielle Hotline ein und versprach, alle Betroffenen noch am Wochenende persönlich zu informieren. Die Polizei verzeichnete zahlreiche besorgte Anrufe von Kunden, die fürchteten, ihr persönliches Schließfach könnte betroffen sein.
Tatablauf während der Mittagspause
Laut Polizeiangaben nutzten die Täter gezielt die Mittagspause zwischen 12 und 14 Uhr am Freitag für ihren Einbruch. Über einen Lichtschacht drangen sie in den Keller der Bank ein, öffneten gewaltsam die Tür zum Raum mit den Schließfächern und leerten 14 der insgesamt 718 Fächer.
Ein Polizeisprecher erläuterte: „Alles ging viel schneller als in Gelsenkirchen. Die Täter waren zielgerichtet und wussten genau, wo sie hin mussten.“ Nach der Mittagspause entdeckte eine Mitarbeiterin den Einbruch, als sie einen „ganz beißenden Geruch“ im Keller wahrnahm und ihr übel wurde.
Rätselhafte Flüssigkeit als Ablenkungsmanöver
Die Feuerwehr rückte mit 87 Einsatzkräften aus, darunter ein Trupp mit Chemieschutzanzügen und Atemschutz. Sie stellten eine unbekannte Flüssigkeit an Türen fest, die jedoch keine Gesundheitsgefahr darstellte. Der Polizeisprecher vermutet ein gezieltes Ablenkungsmanöver: „Die unbekannte Flüssigkeit mit dem starken Geruch diente wahrscheinlich dazu, die Arbeit der Beamten zu verzögern oder Spuren zu verwischen.“
Der Hausmeister entdeckte schließlich die eindeutigen Einbruchsspuren: Türen, die normalerweise verschlossen sein sollten, standen offen.
Polizeifahndung nach drei Verdächtigen
Laut Zeugenaussagen könnten drei Einbrecher beteiligt gewesen sein, die blaue Overalls trugen und vermutlich mit einem schwarzen Fahrzeug flüchteten. Die Polizei sucht intensiv nach weiteren Zeugen und bittet die Bevölkerung um Hinweise zu den Tätern und dem Fluchtwagen. Anwohner werden aufgefordert, ihre Überwachungskameras zu überprüfen.
Die Ermittler stehen vor der schwierigen Aufgabe, den Wert der Beute zu bestimmen. „Zu den Inhalten können wir nichts sagen“, erklärte der Polizeisprecher. „Weil wir auch nicht wissen, was die Bankkunden da platziert haben.“
Kritik an Sicherheitsvorkehrungen der Bank
Mehrere Kunden äußerten scharfe Kritik an den Sicherheitsmaßnahmen der Bank. Eine aufgebrachte Kundin sagte: „Ich bin eigentlich sauer. Die Leute haben ihre Ersparnisse da. Das Vertrauen ist hin.“ Sie verstehe nicht, warum die Bank ihr Sicherheitskonzept nach dem Einbruch in Gelsenkirchen nicht verschärft habe.
Klaus Hriesik zeigte sich fassungslos: „Am helllichten Tag mittags steigen die kleinen Gangster hier ein. Das Ganze kann man nur als grob fahrlässig betrachten.“
Bank verteidigt Sicherheitsstandards
Die Volksbank wies die Vorwürfe entschieden zurück. Eine Mitarbeiterin der Filiale betonte: „Unsere Sicherheits- und Schutzvorkehrungen entsprechen den aktuellen, banküblichen Standards und werden regelmäßig überprüft. Dazu zählen sowohl bauliche als auch organisatorische Maßnahmen.“
Der Betrieb in der Geschäftsstelle soll am Montag normal weitergehen. Die Bank versichert, alle notwendigen Schritte zur Aufklärung des Vorfalls zu unterstützen und die Sicherheitsvorkehrungen erneut zu überprüfen.
Der Einbruch in Stuhr erinnert stark an den spektakulären Coup in Gelsenkirchen Ende Dezember, bei dem Einbrecher über mehrere Tage hinweg mehr als 3.000 Schließfächer aufgebrochen und Wertgegenstände im Millionenhöhe erbeutet hatten. Allerdings scheint die Beute in Stuhr deutlich geringer auszufallen, da nur 14 von 718 Fächern betroffen sind.



