Historische Aussage: Bill Clinton vor US-Kongress zu Epstein-Verbindungen
In einer historischen Anhörung hat der ehemalige US-Präsident Bill Clinton vor einem Ausschuss des US-Kongresses ausgesagt. Der 79-Jährige wurde zu seinen Verbindungen zum verstorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein befragt. Diese Aussage markiert das erste Mal seit mehr als vier Jahrzehnten, dass ein früherer Präsident vor dem Parlament erscheint.
Seltenes Ereignis im politischen Washington
Das Ereignis ist außergewöhnlich: Zuletzt hatte 1983 mit Gerald Ford ein ehemaliger Präsident vor dem Kongress ausgesagt – damals ging es um Verfassungsfeierlichkeiten. Die aktuelle Befragung Clintons durch den Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses unter Vorsitz des Republikaners James Comer betrifft hingegen deutlich brisantere Themen.
Clinton bestätigte seine Bekanntschaft mit Epstein, bestritt jedoch jegliches Wissen über dessen Verbrechen oder eigenes Fehlverhalten. „Ich hatte keine Kenntnis von den illegalen Aktivitäten Jeffrey Epsteins“, betonte der Demokrat in seiner Aussage. Sein Name und Fotos von ihm tauchen in den veröffentlichten Epstein-Akten auf, was die Befragung notwendig machte.
Vorausgegangene Aussage von Hillary Clinton
Bereits am Vortag hatte Clintons Ehefrau, die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton, mehrere Stunden vor demselben Ausschuss in ihrem Wohnort Chappaqua im Bundesstaat New York ausgesagt. Sie erklärte, Epstein nie getroffen oder mit ihm kommuniziert zu haben und wies jede Kenntnis seiner Straftaten zurück.
Die Demokraten im Ausschuss kritisierten das Verfahren als politisch motiviert. Sie warfen Comer vor, mit der Befragung der Clintons von anderen Personen abzulenken, die engeren Kontakt zu Epstein unterhalten hatten – darunter US-Handelsminister Howard Lutnick und der ehemalige Präsident Donald Trump.
Was über die Clinton-Epstein-Verbindung bekannt ist
Die Verbindungen zwischen Bill Clinton und Jeffrey Epstein reichen bis in die frühen 1990er-Jahre zurück:
- Epstein spendete 1992 für Clintons Präsidentschaftswahlkampf
- Fotos zeigen die beiden bereits aus dieser Zeit zusammen
- Clinton unternahm als Ex-Präsident zwischen 2002 und 2003 vier Reisen mit Epsteins Privatjet
- In den Epstein-Akten finden sich mehrere Erwähnungen und Abbildungen Clintons
Ein Sprecher Clintons hatte nach Epsteins Verhaftung 2019 betont, dass die Kontakte mehrere Jahre vor der öffentlichen Bekanntwerdung von Epsteins Verbrechen endeten. Clinton selbst erklärte in seiner Aussage, die Verbindung sei auf berufliche und gesellschaftliche Kontakte beschränkt gewesen.
Politische Kontroversen um die Anhörungen
Hillary Clinton äußerte sich enttäuscht darüber, dass ihre Befragung nicht öffentlich stattfand, obwohl sie Transparenz gefordert hatte. Demokratische Abgeordnete bezeichneten die Anhörung als „unseriöse Clown-Show“ und „politisches Theater“.
Gleichzeitig prüfen demokratische Abgeordnete, ob das Justizministerium bei der Veröffentlichung der Epstein-Akten wichtige Dokumente zurückgehalten hat – insbesondere solche mit Bezug zu Donald Trump. Das Ministerium bestreitet dies, kündigte jedoch eine erneute Überprüfung eines Teils der Unterlagen an.
Weitere Zeugen und die Zukunft der Ermittlungen
Ausschussvorsitzender Comer erklärte, es sei „sehr gut möglich“, dass auch Handelsminister Howard Lutnick vor das Gremium geladen wird. Aus den Epstein-Akten geht hervor, dass Lutnick länger Kontakt zu dem Finanzier hatte als zunächst eingeräumt.
Das Hauptziel der Befragungen sei es laut Comer zu klären, wie Epstein zu seinem Einfluss und Reichtum kam und welche Netzwerke ihn geschützt hätten. Trotz der historischen Bedeutung von Clintons Aussage betonte der Republikaner, dass den Clintons aktuell kein Fehlverhalten vorgeworfen werde.
Die politische Aufarbeitung des Epstein-Skandals bleibt damit ein kontroverses Thema in Washington, das die politischen Lager weiter spaltet und Fragen nach Transparenz und politischer Motivation aufwirft.



