Crans-Montana: Trauer und Wut nach Brandkatastrophe mit 41 Toten
Brandkatastrophe Crans-Montana: Trauer und offene Fragen

Trauer, Wut und offene Fragen nach Brandinferno in Crans-Montana

Für die Überlebenden und Angehörigen ist nichts mehr so, wie es vor der verhängnisvollen Neujahrsnacht in Crans-Montana war. Der Horror des Brandes in der Bar "Le Constellation" hat ihr Leben für immer verändert. Zwei Monate nach der Katastrophe mit 41 Todesopfern kämpfen sich viele Schwerverletzte mühsam zurück ins Leben, während die Familien der meist jungen Opfer in tiefster Trauer und mit vielen offenen Fragen zurückbleiben.

Das Leid der Opfer und Überlebenden

"Mein Körper ist zu einem Schlachtfeld geworden", schreibt die schwer verletzte Überlebende Mélanie Van de Velde auf Facebook. Viele Betroffene müssen sich wie sie immer wieder schmerzhaften Hauttransplantationen unterziehen. Von den ursprünglich 115 Verletzten befanden sich Ende Februar noch fast 60 Personen in Krankenhäusern und Rehabilitationskliniken, darunter 28 im Ausland – vier davon in Deutschland. Neben Schweizern sind vor allem Franzosen und Italiener betroffen.

Die Angehörigen im Ausnahmezustand

Familien wie die von Leila Micheloud leben im Ausnahmezustand. Zwei ihrer Töchter wurden bei der Katastrophe verletzt. "Ich fand meine Tochter vor, aber sie war nicht meine Tochter, es war ein verbrannter Körper", beschreibt sie den Gang ins Krankenhaus in einer Fernsehdokumentation. Neben der Trauer empfinden viele Angehörige auch Wut. Vor einer Vernehmung der Barbetreiber Jacques und Jessica Moretti haben sie die beiden vor dem Gebäude in Sitten bestürmt und beschimpft.

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Ermittlungen gegen Barbetreiber und Behörden

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die Morettis wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und fahrlässiger Brandstiftung. Im Fokus stehen Fragen zu Notausgängen, einer verengten Fluchtweg-Treppe auf 1,37 Meter und dem regelkonformen Schaumstoff an der Decke, der in Brand geriet. Die Barbetreiber sind gegen Kaution auf freiem Fuß und beteuern über ihre Anwälte Nicola Meier, Yaël Hayat und Patrick Michod, sich nichts zuschulden kommen lassen zu haben.

Kritik an Behördenversäumnissen

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen den aktuellen und ehemaligen Sicherheitsbeauftragten der Gemeinde, weil in der Bar seit 2019 keine der jährlich vorgeschriebenen Brandschutzkontrollen stattfanden. Gemeindepräsident Nicolas Féroud konnte nicht erklären, warum diese Kontrollen unterblieben sind. Er wurde zum Buhmann, weil er sich nicht öffentlich bei den Opfern entschuldigte.

Die langsame Aufarbeitung

Die 50 Anwälte, die rund 130 Opfer und Angehörige vertreten, werfen Oberstaatsanwältin Beatrice Pilloud vor, Beweise nicht gesichert und Jacques Moretti zu spät festgenommen zu haben. Dass Moretti gegen Kaution freikam, empörte die Italiener derart, dass sie ihren Botschafter aus der Schweiz abzogen. Inzwischen hat Pilloud italienischen Behörden direkte Zusammenarbeit zugesichert.

Vernetzungen im Kanton Wallis

Die Barbesitzer waren mit den meisten Amtsträgern in Crans-Montana auf Du und Du – ein übliches Phänomen in kleinen Gemeinden des Kantons Wallis, wo praktisch jeder jeden kennt. Die Oberstaatsanwältin und der Gemeindepräsident sind in derselben Partei und derselben Weinbruderschaft "Orden der Kanne". Im Wallis gibt es dafür den spöttischen Begriff "Walliserei", der die Gefahr von Filz beschreibt.

Die Aufarbeitung der Brandkatastrophe von Crans-Montana wird noch lange dauern. Während die Überlebenden mit ihren Verletzungen kämpfen und die Angehörigen trauern, bleiben viele Fragen zur Verantwortung und zu den Versäumnissen unbeantwortet.

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