Widersprüchliche Signale im Nahost-Konflikt: Kommt ein Abkommen zwischen USA und Iran?
Vorerst geht der Krieg im Nahen Osten unvermindert weiter, während sich die diplomatischen Bemühungen intensivieren. US-Präsident Donald Trump verbreitet trotz gegenteiliger Signale aus Teheran Hoffnung auf ein mögliches Abkommen zur Beendigung der Feindseligkeiten. Gleichzeitig meldet Israels Luftabwehr in der Nacht erneut mehrere Raketenangriffe des Erzfeindes Iran. Auch Saudi-Arabien und Bahrain berichten von weiterem Beschuss durch Drohnen und Raketen. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu kündigte an, die eigenen Attacken im Iran und im Libanon fortzusetzen.
Trumps verschobene Ultimaten und Börsenreaktionen
Zuvor hatte Trump ultimativ angedrohte Angriffe auf iranische Kraftwerke verschoben. Er bezeichnete dies als Ergebnis „sehr guter und produktiver Gespräche über eine vollständige und endgültige Beilegung unserer Feindseligkeiten“ in den vergangenen Tagen. Ursprünglich hatte er Teheran eine Frist bis zur heutigen Nacht gesetzt, die für den globalen Öl- und Gasmarkt wichtige Straße von Hormus zu öffnen – andernfalls wollte er Irans Kraftwerke zerstören lassen.
Stattdessen will er nun weitere fünf Tage auf Attacken gegen Kraftwerke und Energieinfrastruktur verzichten, wie er auf seiner Plattform Truth Social schrieb. Der zuletzt stark gestiegene Ölpreis sank daraufhin merklich, und die Börsen konnten etwas Boden gutmachen. An der asiatischen Leitbörse in Tokio notierte der Nikkei-Index zur Halbzeit ein leichtes Plus von 0,77 Prozent beim Stand von 51.910,42 Punkten. Trump hatte zuvor erklärt, man werde voraussichtlich am Montag (Ortszeit) mit der iranischen Seite telefonieren. Aus Teheran gab es dafür jedoch keine offizielle Bestätigung.
Dementis und geheime Vermittlungsversuche
Irans Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf dementierte vehement, dass es Verhandlungen mit den USA gegeben habe. Er bezeichnete entsprechende Berichte als „Fake News“, die genutzt würden, um die Finanz- und Ölmärkte zu manipulieren und dem „Sumpf zu entkommen, in dem die USA und Israel feststecken“.
Nach Informationen des US-Nachrichtenportals „Axios“ hatten jedoch Ägypten, Pakistan und die Türkei am Sonntag zwischen den USA und Iran vermittelt. Dabei versuchten sie, für Montag ein Telefonat zwischen Ghalibaf und Trumps Team zu arrangieren. Die vermittelnden Länder arbeiteten angeblich daran, ein Treffen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad zu ermöglichen. Ein namentlich nicht genannter israelischer Beamter wurde zitiert, wonach daran Ghalibaf und andere Beamte als Vertreter Teherans sowie auf US-Seite der Sondergesandte Steve Witkoff, Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und möglicherweise US-Vizepräsident JD Vance teilnehmen könnten – eventuell noch in dieser Woche.
Netanjahus Position und Trumps Zuversicht
Israels Ministerpräsident Netanjahu äußerte sich nach den von den USA verkündeten Gesprächen mit dem Iran in einer Videobotschaft: „Präsident Donald Trump ist überzeugt, dass es eine Chance gibt, die enormen Erfolge, die wir mit dem US-Militär erzielt haben, zu nutzen, um die Kriegsziele durch ein Abkommen zu verwirklichen – ein Abkommen, das unsere vitalen Interessen schützt.“ Nach Trumps Darstellung wurde man sich mit dem Iran in rund 15 Punkten einig.
Der US-Präsident sagte zu Reportern in Florida: „Sie werden nie Atomwaffen haben. Sie haben dem zugestimmt.“ Die USA und Israel begründen ihren Krieg unter anderem mit dem Ziel, den Iran am Bau von Atomwaffen hindern zu wollen. Teheran bestreitet solche Absichten kontinuierlich. Trump führte weiter aus, die USA wollten das angereicherte Uran, das sich im Iran befinde, übernehmen. Der Iran wolle unbedingt einen Deal zur Beendigung des Krieges – und die USA ebenfalls.
Fortgesetzte militärische Operationen
Trotz der diplomatischen Bewegung setzt Israel seine militärischen Operationen vorerst fort. Netanjahu erklärte in seiner Videobotschaft: „Wir zerschlagen das Raketenprogramm und das Atomprogramm.“ Auch werde man weiter gegen die mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon vorgehen. Israels Armee führt eigenen Angaben zufolge im Süden des nördlichen Nachbarlands „gezielte Bodeneinsätze“ durch. Dabei seien am Sonntag mehrere bewaffnete Miliz-Mitglieder gefangen genommen und „zur weiteren Befragung“ nach Israel gebracht worden.
Anfang März hatte die Hisbollah in den Krieg an der Seite Teherans eingegriffen und erstmals seit Beginn einer Waffenruhe im November 2024 Israel wieder mit Raketen angegriffen. Israels Armee begann daraufhin nach eigenen Angaben „begrenzte und gezielte Bodeneinsätze“. Sie wirft der libanesischen Armee, die die Miliz im Rahmen eines Abkommens entwaffnen und ihre militärische Präsenz im Südlibanon verhindern soll, Versagen vor. Deutschland und andere Länder warnen vor einer größeren Bodenoffensive, die auch viele Libanesen fürchten.



