Münchner Demo-Anschlag: Zeugen schildern 'völlig surreal' Erlebnisse am elften Prozesstag
Es ist knapp ein Jahr vergangen, seit ein Auto in München in eine Menschenmenge raste, eine Mutter und ihr Kind tötete und Dutzende Personen verletzte. Am Dienstag, dem 3. März 2026, fand der elfte Prozesstag im Verfahren gegen den 25-jährigen Täter statt, der am 13. Februar 2025 seinen Mini in eine Verdi-Demonstration lenkte. Das Gericht ist für die Fortsetzung des Prozesses in den Gerichtssaal der Justizvollzugsanstalt Stadelheim umgezogen, wo die AZ vor Ort berichtet.
Erinnerungen an den Verdi-Anschlag: 'Autofahren macht mir keinen Spaß mehr'
Zwei Männer, die den Auto-Anschlag miterlebten, schildern eindrücklich, wie sie bis heute unter den Folgen leiden. Ein 58-jähriger Demoteilnehmer erzählt, dass er seit jenem schicksalhaften Tag aufgrund starker Schmerzen keine einzige Nacht durchgeschlafen habe. Er leidet vor allem an schweren Schulterproblemen, da ein Schulterblatt bei dem Anschlag zertrümmert wurde. 'Ich brauche Geduld', sagt der Mann, dessen Ärzte ihm mitgeteilt haben, dass die Genesung noch etwa ein Jahr dauern könnte. Neben der körperlichen Behandlung befindet er sich auch in psychologischer Betreuung.
Der Vorsitzende Richter Michael Höhne erkundigte sich nach weiteren Auswirkungen des Traumas. 'Autofahren macht mir keinen Spaß mehr', antwortete der 58-Jährige. Zudem meidet er überfüllte Züge im öffentlichen Nahverkehr, da ihm dort zu viele Menschen unterwegs sind. Seine Erinnerung an den Anschlag ist lebhaft: 'Ich hörte das Aufheulen eines Motors. Dann gab es einen brutalen Schlag, und mir wurde schwarz vor Augen.' Danach habe er keine Luft mehr bekommen und gedacht: 'Das war es, ich ersticke.' Erst durch eine selbstständige Drehung in die Seitenlage konnte er wieder atmen.
Erinnerungslücken bei Demoteilnehmer: 'Ein Loch von einer halben Stunde'
Ein weiterer Demoteilnehmer, 57 Jahre alt, berichtet von erstaunlicher Gelassenheit trotz schwerer Verletzungen. Er sagt, dass er keinen Groll hege und niemandem die Schuld gebe: 'Gewisse Dinge kann man nicht ändern.' Richter Höhne bezeichnet diese Haltung als 'bewundernswerte Einstellung'. Dennoch leidet der Mann noch heute erheblich unter seinen Verletzungen, insbesondere am Fuß, wo sogar eine mögliche Amputation befürchtet wurde.
Interessanterweise klafft in seiner Erinnerung 'ein Loch von einer halben Stunde', sodass er sich nicht mehr an alle Details des Vorfalls erinnern kann. Die gesamte Situation habe auf ihn 'völlig surreal' gewirkt, was die traumatische Natur des Ereignisses unterstreicht. Diese Aussagen verdeutlichen die langfristigen psychischen und physischen Belastungen, die Opfer solcher Gewalttaten oft tragen müssen.
Der Prozess wird unter großer öffentlicher Aufmerksamkeit fortgesetzt, während die Stadt München weiterhin mit den Nachwirkungen des tragischen Anschlags konfrontiert ist. Die Zeugenaussagen am elften Verhandlungstag liefern tiefe Einblicke in die persönlichen Schicksale und die anhaltenden Herausforderungen der Betroffenen.



