Führerschein-Betrug vor Gericht: Mann soll als Prüfungs-Double 12.000 Euro kassiert haben
Führerschein-Betrug: Mann als Prüfungs-Double vor Gericht

Führerschein-Betrug vor Gericht: Mann soll als Prüfungs-Double 12.000 Euro kassiert haben

In Heilbronn hat ein aufsehenerregender Prozess um systematischen Führerscheinbetrug begonnen. Ein 31-Jähriger steht vor dem Landgericht, weil er angeblich für zahlreiche Fahrschüler theoretische Führerscheinprüfungen abgelegt haben soll. Der Mann soll dabei als Teil einer Heilbronner Bande operiert haben, die bundesweit agiert und Prüfungen fälscht.

Systematischer Betrug in zwei Bundesländern

Der Angeklagte soll vor allem in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen aktiv gewesen sein. Laut Anklage hat er zwischen Februar 2024 und Juni 2025 insgesamt 31 Taten begangen. Für seine Dienste als Prüfungs-Double soll er bis zu 1.000 Euro pro theoretischer Fahrprüfung erhalten haben. Insgesamt soll er rund 12.000 Euro an Provisionen kassiert haben, mit denen er sich seinen Lebensunterhalt finanziert haben soll.

Der Mann ist wegen gewerbsmäßiger Fälschung beweiserheblicher Daten angeklagt und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm droht bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Nach Prozessauftakt haben Verteidigung und Anklage zunächst Gespräche über eine mögliche Einigung bezüglich des Strafrahmens aufgenommen.

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Teil eines größeren Netzwerks

Das Verfahren wirft ein Schlaglicht auf ein offensichtlich weit verbreitetes Problem. Der Angeklagte soll nicht einmal ein führendes Mitglied der Bande gewesen sein. Gegen fünf weitere Mitglieder der Heilbronner Bande hat die Staatsanwaltschaft bereits Anklage erhoben. Darunter befindet sich auch ein Fahrschulbetreiber aus Heilbronn, der laut früheren Angaben der Staatsanwaltschaft bereits seit 2022 solche Stellvertreterprüfungen angeboten haben soll.

Laut Anklage soll der 31-Jährige von verschiedenen Menschen beauftragt worden sein, Prüfungen für Fahrschüler zu absolvieren oder Stellvertreter für Prüfungen aus einem bundesweiten Pool zu organisieren. Die Stellvertreter – inklusive des Angeklagten – hätten sich bei den Prüfungen mit den Ausweisen der Fahrschüler falsch als diese ausgegeben.

Wachsendes Problem seit Jahren

Der Tüv-Verband hatte bereits im vergangenen Sommer mitgeteilt, dass Täuschungsversuche seit mehreren Jahren ein wachsendes Problem seien. Für das erste Halbjahr 2025 seien bereits 2.193 Fälle festgestellt worden. Im Gesamtjahr 2024 seien fast 4.200 unerlaubte Tricks registriert worden – ein Anstieg um zwölf Prozent im Vergleich zu 2023 und um fast 50 Prozent im Vergleich zu 2020.

Insbesondere beim Technikbetrug – etwa mit Mini-Kamera-System oder winzigem Knopf im Ohr – und dem Identitätsbetrug mit gefälschten Ausweisdokumenten seien professionell agierende Organisationen im Hintergrund zu vermuten, so der Verband. Denn dabei könne der Führerscheinbewerber nicht allein agieren.

Umfangreiches Verfahren mit vielen Zeugen

In dem umfangreichen Verfahren sind laut Gericht 20 Zeuginnen und Zeugen geladen. Es sind sieben weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte am 31. März verkündet werden. Das Gericht muss allerdings noch entscheiden, ob es auch gegen die weiteren Mitglieder der Bande zum Prozess kommt.

Der Mann, der zuletzt in Gütersloh lebte, soll sich mit den Taten unter anderem in Heidelberg, Göppingen, Bochum und Bonn seinen Lebensunterhalt finanziert haben. Für die Vermittlung von Stellvertretern soll er laut Gericht 200 Euro erhalten haben.

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