Wegen eines Hantavirus-Verdachtsfalls hat die britische Regierung Helfer per Fallschirm auf die Insel Tristan da Cunha im Südatlantik gebracht. Zudem wurde medizinisches Material aus der Luft abgeworfen. Tristan da Cunha gilt als entlegenstes britisches Überseegebiet und ist gewöhnlich nur per Schiff erreichbar. Auf der Insel leben nur 221 Menschen.
Erster Einsatz dieser Art
Zuvor hatte die britische Gesundheitsbehörde UKHSA einen Verdachtsfall auf der Insel gemeldet. Nach Angaben des zuständigen Ministeriums handelt es sich um einen Passagier des Schiffes „Hondius“, der auf Tristan da Cunha lebt und dort von Bord gegangen sein soll. Das Verteidigungsministerium in London teilte mit, die Einsatzgruppe habe aus sechs Fallschirmjägern und zwei Militärmedizinern bestanden. Beinahe zeitgleich sei medizinisches Material abgeworfen worden. Es handle sich um den ersten Einsatz dieser Art, hieß es. Nach Angaben des Ministeriums gingen auf der Insel die Sauerstoffvorräte zur Neige.
Herausfordernde Anreise
Tristan da Cunha liegt rund 2400 Kilometer von der nächstgelegenen bewohnten Insel St. Helena entfernt. Die Gruppe vulkanischer Inseln hat keine Landebahn und ist in der Regel nur per Boot erreichbar – auf einer sechstägigen Reise von Kapstadt in Südafrika. Das eingesetzte Transportflugzeug vom Typ A400 legte demnach zunächst 6788 Kilometer vom Militärflughafen RAF Brize Norton nahe Oxford bis zur Insel Ascension zurück, die mitten im Atlantik liegt und gemeinsam mit Tristan da Cunha und St. Helena ein britisches Überseegebiet bildet. Anschließend flog die Maschine mehr als 3000 Kilometer weiter nach Tristan da Cunha. Ein Tankflugzeug vom Typ Voyager begleitete den Transporter für einen Tankvorgang in der Luft.
Schwierige Wetterbedingungen
Die Wetterbedingungen auf Tristan da Cunha könnten außergewöhnlich herausfordernd sein, mit durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten von mehr als 40 Kilometern pro Stunde, sagte Außenministerin Yvette Cooper laut Mitteilung. Cooper bezeichnete den Einsatz mit Fallschirmabwurf demnach als einzigen Weg, um den Patienten rechtzeitig zu versorgen.
Weitere Fälle auf der „Hondius“
Bei zwei weiteren britischen Passagieren der „Hondius“ wurde eine Infektion mit dem Hantavirus bereits bestätigt. Sie werden in Krankenhäusern in Südafrika und den Niederlanden behandelt. Die weiteren Briten an Bord seien bislang symptomfrei und würden mit Charterflügen nach Großbritannien gebracht, hieß es. Nach ihrer Ankunft sollen sie demnach 45 Tage lang isoliert werden. Die „Hondius“ hatte am Sonntagmorgen auf Teneriffa angelegt.



