Harvey Weinstein: Größenwahn hinter Gittern – Ex-Filmmogul gibt erstes Gefängnis-Interview
Harvey Weinstein: Größenwahn hinter Gittern – Interview in Haft

Harvey Weinstein: Größenwahn und Leugnung im Gefängnis-Interview

Der ehemalige Filmproduzent Harvey Weinstein, dessen öffentlich gewordene Übergriffe die #MeToo-Bewegung maßgeblich befeuerten, hat sein erstes umfangreiches Interview hinter Gittern gegeben. Der 73-Jährige sitzt derzeit im berüchtigten Gefängniskomplex Rikers Island in New York ein, wo er sich einer Stunde lang den Fragen des Branchenmagazins Hollywood Reporter stellte. Das Gespräch, das bereits Ende Januar stattfand, wurde unter der Bedingung einer späteren Veröffentlichung aus verfahrenstechnischen Gründen geführt und offenbart ein erschütterndes Bild von Leugnung und Realitätsverlust.

Isolation und Haftbedingungen auf Rikers Island

Weinstein wurde im Rollstuhl in den Interviewraum gefahren, gekleidet in einen gelben Gefängnis-Jumpsuit und deutlich gealtert sowie abgemagert. Er beschreibt seine Haftbedingungen als äußerst belastend: Er lebt weitgehend in Isolation und wird nur einmal täglich für eine halbe Stunde auf den Hof geschoben. Dort werde er regelmäßig von anderen Insassen um Geld oder Anwaltskontakte angebettelt. Trotz dieser Umstände beharrt Weinstein auf seiner Unschuld und sagt dem Reporter: „Es wird bewiesen werden, dass ich unschuldig bin. Das verspreche ich dir.“

Größenwahn und gescheiterte Kontakte

Immer wieder blitzt im Interview der alte Größenwahn des einst mächtigen Filmmoguls auf. So betont er, dem Journalisten eine „weltexklusive“ Gelegenheit zu bieten, und behauptet, die US-Starmoderatorin Oprah Winfrey habe ihn um das Interview angebettelt. Gleichzeitig wird deutlich, dass fast sämtliche persönlichen und beruflichen Kontakte abgebrochen sind:

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  • Sein Bruder und er liegen im Krieg, werfen sich gegenseitig vor, ihre gemeinsame Firma Miramax zerstört zu haben.
  • Seine Ex-Frau hat den Kontakt abgebrochen, lässt ihn aber die gemeinsamen Kinder sehen.
  • Zwei Töchter aus anderen Beziehungen haben ihre Namen geändert und den Kontakt rigoros beendet.

Leugnung der Vorwürfe und Drohungen

Weinstein gibt zwar zu, sich Frauen gegenüber aufdringlich verhalten und Mitarbeiter angewiesen zu haben, solche Vorfälle zu vertuschen, bestreitet jedoch jegliche sexuellen Übergriffe. Auf die Masse von über 80 Anschuldigungen reagiert er mit Abwiegelung: Es gehe den Frauen nur um Geld, viele hätten hohe Summen erhalten. Als der Reporter ihn mit Vorwürfen des Starregisseurs Peter Jackson konfrontiert, der behauptet, Weinstein habe ihn angewiesen, mit der Schauspielerin Ashley Judd zusammenzuarbeiten, wütet Weinstein: „Peter Jackson ist der Schlimmste. Es ist eine fucking Lüge.“ Er droht mit juristischen Schritten, falls Jackson die Aussage wiederhole.

Alltag und unrealistische Zukunftsträume

In seiner Zelle leiht sich Weinstein Filme für 4,95 Dollar aus und schaut sie auf einem Tablet. Kürzlich sah er die Tragikomödie „Ballad of Wallis Island“ und äußerte Begeisterung: „Ich wünschte, ich hätte die Chance gehabt, ihn zu vermarkten.“ Dies deutet darauf hin, dass er sogar eine Rückkehr ins Filmgeschäft für möglich hält. Insgesamt wirkt der Auftritt des einstigen Hollywood-Machers wie ein Zeugnis von Größenwahn, Weinerlichkeit und einer völlig eigenen Realität, fernab der erdrückenden Beweislast und gesellschaftlichen Ächtung.

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