Vier-Millionen-Betrug: Milliardär fällt auf fingierten Unfallanruf herein
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen fahndet mit einem Phantombild nach einem Trickbetrüger, der einem deutschen Milliardär rund vier Millionen Euro in Form von Bargeld und Wertsachen abgenommen hat. Der spektakuläre Fall, über den BILD exklusiv berichtete, zeigt die perfiden Methoden moderner Telefonbetrüger.
Skrupellose Masche mit fingiertem Unfall
Am 3. Februar erhielt der vermögende Unternehmer im Rentenalter einen Anruf, der ihn in einen Schockzustand versetzte. Die Täter gaben vor, dass seine Tochter einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht haben soll, bei dem eine schwangere Frau ums Leben kam. Bei der Verstorbenen handele es sich angeblich um die Tochter eines serbischen Diplomaten, der nun Entschädigung fordere.
„Die Täter versetzen ihre Opfer durch das Vorspielen vermeintlicher Notsituationen emotional in einen Schockzustand“, erklärt ein Polizeisprecher. „Ihr Ziel ist es, das Opfer in dieser Schocksituation steuern zu können.“
Phantombild nach detaillierter Beschreibung
Der Milliardär, der laut Manager-Magazin zu den 100 reichsten Deutschen zählt und mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, traf sich mit Experten des Landeskriminalamtes. Er konnte eine der Personen genau beschreiben, denen er die Beute an zwei Amtsgerichten übergeben hatte. Auf Basis dieser Beschreibung erstellten die Beamten ein Phantombild, das ein Richter für die öffentliche Fahndung freigegeben hat.
Erst nach den Übergaben bekam der Sicherheitsdienst des Milliardärs Wind von der Sache und informierte umgehend die Polizei. Die Ermittler gehen davon aus, dass der Unternehmer ein Zufallsopfer war – trotz seines Reichtums stand sein Name bis zuletzt in einem öffentlichen Telefonbuch.
Systematische Suche nach älteren Opfern
Ein Beamter erläutert die Vorgehensweise der Täter: „Trickbetrüger suchen dort gezielt nach Namen von älteren Personen. Es geht zu wie in einem Callcenter, von dort werden nicht selten mehrere Dutzend Personen am Tag angerufen.“
Die Betrüger halten den Druck oft über Stunden aufrecht. Die Angerufenen hören teilweise verzweifelte Stimmen und weinerliche Bitten um Hilfe, die sie ihren Verwandten zuschreiben. In dieser emotionalen Ausnahmesituation handeln die Opfer nicht mehr rational und folgen den Anweisungen der Täter.
Polizei gibt wichtige Verhaltenstipps
Die Polizei rät dringend zu folgenden Maßnahmen bei verdächtigen Anrufen:
- Notieren Sie sich Namen und Dienststelle des Anrufers
- Beenden Sie das Telefonat umgehend
- Rufen Sie SELBST die Polizei unter 110 an
- Lassen Sie sich nicht vom Anrufer verbinden
- Melden Sie auch fehlgeschlagene Betrugsversuche
Diese Meldungen sind wichtig, damit die Polizei gezielt andere Menschen warnen kann. Die Beamten betonen, dass niemand immun gegen solche Betrugsmaschen ist – selbst vermögende Personen mit umfangreicher Lebenserfahrung können in die Falle tappen.
Der Fall zeigt erneut, wie wichtig Wachsamkeit im Umgang mit unerwarteten Anrufen ist. Die Polizei hofft nun, mit Hilfe des Phantombilds und der öffentlichen Fahndung schnell einen der Täter zu identifizieren und die Hintermänner des Millionenbetrugs zu fassen.



