Gegen das Stromnetz der Hauptstadt gibt es offenbar neue Drohungen. Erneut sollen im Internet Aufrufe zu Anschlägen auf die Stromversorgung aufgetaucht sein. Unklar ist, wer dahintersteckt. Der Staatsschutz nimmt die Nachrichten ernst und ermittelt auf Hochtouren.
Hintergrund: Frühere Sabotageakte
Bereits im Herbst 2025 sowie am 3. Januar 2026 hatten Sabotageakte auf die Stromversorgung in Berlin für teils tagelange Stromausfälle in einzelnen Stadtvierteln gesorgt. Anfang Januar kappten die Täter an einer Kabelbrücke über dem Teltowkanal die Versorgung.
Neue Drohungen auf linker Plattform
Nun wurden offenbar auf der linksextremen Plattform Indymedia neue Drohungen veröffentlicht, wie zuerst der Sender rbb berichtete. Am Freitag tauchte dort ein Plakat bislang unbekannter Verfasser mit der Parole „Cut the Power, so we can see the stars“ („Schaltet den Strom ab, damit wir die Sterne sehen können“) auf. An anderer Stelle wird das Wort „Sabotage“ als „SA-BO-TAGE“ geschrieben – möglicherweise, um automatische Filter zu umgehen.
Möglicher Zusammenhang mit Razzien
Der Staatsschutz hat Ermittlungen aufgenommen. Ein möglicher Zusammenhang besteht mit den Hausdurchsuchungen vom 24. März 2026 in Berlin, Hamburg, Düsseldorf und Kyritz. Diese standen im Kontext der Anschläge auf die Stromleitungen in Adlershof im September 2025, bei denen mehr als 50.000 Haushalte und rund 2000 Gewerbebetriebe ohne Strom waren.
Bei einer Razzia in einem Infoladen „Scherer 8“ der Roten Hilfe in Berlin-Wedding wurden unter anderem Sicherheitsschuhe, iPad, Laptop und ein PC beschlagnahmt. In einem auf der linksextremen Plattform veröffentlichten Text aus der Szene heißt es dazu, es habe Durchsuchungen an 17 Orten gegeben, darunter Privatwohnungen und Wohnungen von Angehörigen sowie aus dem Umfeld der Beschuldigten. Die Räume seien dabei teilweise „verwüstet“ worden. Die Darstellung stammt von den Verfassern selbst. Behörden werten solche Texte als mögliche Hinweise auf die Urheber. Nach Informationen des rbb gehen Ermittler davon aus, dass auch das neue Drohplakat aus diesem Umfeld stammen könnte.
Reaktionen und Sicherheitsmaßnahmen
Ein Polizeisprecher erklärte der Berliner Morgenpost, die „möglichen und bislang unspezifischen Bedrohungsszenarien“ würden „durchgängig und sehr aufmerksam beobachtet“. Bereits nach den früheren Anschlägen und dem Stromausfall im Januar waren auf der Plattform Bekennerschreiben und Drohaufrufe erschienen.
Der Netzbetreiber Stromnetz Berlin hatte Anfang der Woche mitgeteilt, in diesem Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen wie Kameras und Wachschutz zu investieren, um die kritische Infrastruktur besser zu schützen. Die Angst vor dem nächsten Blackout wächst.



