Platz vor dem Abgeordnetenhaus nach Margot Friedländer benannt
Platz vor Parlament heißt jetzt Margot Friedländer

Der Platz vor dem Berliner Abgeordnetenhaus trägt ab sofort den Namen der Holocaust-Überlebenden Margot Friedländer (1921-2025). Am Vormittag wurde das Schild mit ihrem Namen offiziell enthüllt. Damit wird eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Stadt geehrt, die sich Zeit ihres Lebens für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus eingesetzt hat.

Würdigung im Plenarsaal

Parlamentspräsidentin Cornelia Seibeld (CDU) würdigte Friedländer bei einer Feierstunde im Plenarsaal als „eine große Berlinerin“ und betonte, dass ihr Leben zu dauerhaftem Erinnern verpflichte. Sie erinnerte daran, dass Friedländer nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager Theresienstadt zunächst in die USA gegangen war, 2010 aber nach Berlin zurückkehrte. „Ihre Mission war klar: für die zu sprechen, die nicht mehr sprechen konnten. Sie tat das unermüdlich, vor allem für junge Menschen“, sagte Seibeld. „Mit großer Klarheit und leiser Stimme erzählte sie, was geschehen war.“ Immer wieder habe sie in Schulen aus ihrer Autobiografie vorgelesen.

Die Benennung des Platzes sei eine dauerhafte Mahnung: „Sie hat uns etwas mitgegeben: den Auftrag hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen.“

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Wegner würdigt Friedländers Vermächtnis

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) würdigte Margot Friedländer als Beweis dafür, dass Menschlichkeit über Unmenschlichkeit siegen könne. Ihre Zuversicht sei bewundernswert gewesen. „Margot Friedländer hielt den Blick stets auf das Gute gerichtet. Sie vertraute auf Humanität und Toleranz“, sagte der CDU-Politiker. Aber sie habe auch die Gefahren für die Demokratie gesehen und den wachsenden Antisemitismus. „Deshalb ist es unsere Pflicht, Margot Friedländers aufklärerisches Wirken mit ganzer Kraft fortzusetzen.“

Die Idee, den Platz vor dem Landesparlament nach Margot Friedländer zu benennen, geht auf Parlamentspräsidentin Seibeld zurück. Zuvor waren verschiedene Alternativen öffentlich diskutiert worden.

Ein Platz der Erinnerung

Wie bereits im Spätherbst von Wegner und Seibeld angekündigt, erinnert der Platz bereits zum ersten Todestag an die Berliner Ehrenbürgerin. Sie war am 9. Mai 2025 im Alter von 103 Jahren gestorben. Friedländer stammte aus einer jüdischen Familie in Berlin. Von den Nationalsozialisten wurde sie ins Konzentrationslager Theresienstadt verschleppt. Nach der Befreiung 1945 ging sie mit ihrem Mann in die USA. Erst mit 88 Jahren zog sie zurück in die deutsche Hauptstadt. Beigesetzt ist sie auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee.

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